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Arbeitskampf

Bahnverkehr läuft nach GDL-Streik wieder normal - Volle Züge am Wochenende erwartet

  • Aktualisiert: 17.11.2023
  • 13:35 Uhr
  • Damian Rausch

Der Schienenverkehr in Deutschland stand seit Mittwochabend weitgehend still. Grund war ein 20-stündiger Warnstreik der Lokomotivführer-Gewerkschaft. +++ Die aktuellen Entwicklungen im Überblick +++

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Streik dauerte bis Donnerstagabend und führte zu erheblichen Einschränkungen im Fern-, Regional- und Güterverkehr. 

  • Die GDL fordert eine Reduzierung der Arbeitszeit für Schichtarbeiter auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich sowie weitere finanzielle Verbesserungen

  • Am Freitag fährt die Bahn wieder nach regulärem Zeitplan.

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erhöht im Tarifkonflikt mit der Bahn den Druck: Seit Mittwochabend lähmte ein 20-stündiger bundesweiter Warnstreik den Schienenverkehr. Bis 18:00 Uhr am Donnerstag (16. November) hat es fast keinen Zugverkehr mehr geben. Worum gestritten wird und alle Entwicklungen im Überblick lesen Sie hier:

+++ 17. November, 9:45 Uhr: Nach dem Warnstreik ist der Bahnverkehr am Freitagmorgen fast im ganzen Land wieder nach regulärem Fahrplan gestartet. Dies gelte für den gesamten Fern- und Regionalverkehr, teilte eine Sprecherin mit.

Allerdings rechnet die Bahn mit volleren Zügen als gewöhnlich zum Beginn des Wochenendes. Viele Fahrgäste hatten ihre Reise wegen des Warnstreiks um einen Tag verschoben. Die Bahn empfiehlt daher dringend eine Sitzplatzreservierung im Fernverkehr.

Der Notfahrplan der DB habe während des GDL-Streiks verlässlich funktioniert. Im Regional- und S-Bahnverkehr hätten teilweise sogar mehr Fahrten angeboten werden können als ursprünglich geplant. Für die Fahrgäste geht die Ungewissheit aber vorerst weiter. Denn der Tarifkonflikt zwischen der DB und der GDL ist noch lange nicht gelöst - kommende Woche könnte es in die nächste Verhandlungsrunde gehen. Die Bahn will jedenfalls an dem vereinbarten Gesprächstermin festhalten, wie am Donnerstagabend aus Konzernkreisen verlautete.

Die Verhandlungen am Donnerstag und Freitag fänden "selbstverständlich" statt, hieß es. Anders sei das nur dann, wenn die GDL am Verhandlungstermin selbst streiken sollte. Im Sinne der Mitarbeiter:innen und der Fahrgäste gehe es der Bahn um eine Lösung am Verhandlungstisch.

Weselsky hält weitere Streiks für möglich - auch an Weihnachten

+++16. November, 14:09 Uhr: Claus Weselsky, Chef der Lokführergewerkschaft GDL, schließt noch weitere Warnstreiks nicht aus. "Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das nicht", erklärte er am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Schwerin. Dort hatte er an einer Kundgebung des Deutschen Beamtenbundes (dbb) teilgenommen, der für den öffentlichen Dienst der Länder ebenfalls in Tarifverhandlungen steckt. Auch Streiks um Weihnachten schloss er nicht aus. Bislang habe die GDL nie an Weihnachten gestreikt, "aber ich lasse mich da nicht auf einen Tag festlegen", stellte Weselsky klar. 

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Pendler passen Reisepläne an

+++ 10:56 Uhr: In den Stunden nach der Warnstreikankündigung haben viele Kund:innen ihre Reisepläne angepasst, so die Bahn. "Viele Fahrgäste haben ihre geplante Reise vorgezogen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben können", hieß es am Donnerstagmorgen. Die Fahrgäste wurden bereits am Mittwoch gebeten, auf nicht notwendige Fahrten zu verzichten. Wer dennoch fahren müsse, sollte sich kurz vor Antritt der Reise in den Auskunftsmedien der Bahn informieren.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Anzeige weist am S-Bahnhof des Hauptbahnhofs auf den Streik der GDL hin.
Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Anzeige weist am S-Bahnhof des Hauptbahnhofs auf den Streik der GDL hin.© Marijan Murat/dpa

Mehr als 80 Prozent der Züge fallen aus

+++ 9:15 Uhr: Wegen des Warnstreiks sind nach Angaben der Bahn erhebliche Einschränkungen im Fern-, Regional- und Güterverkehr auf der Schiene geplant. Nach Angaben des Konzerns fallen im Laufe des Tages mehr als 80 Prozent der ICE- und IC-Züge aus. "Erfahrungsgemäß wird es auch im Regionalverkehr zu massiven Einschränkungen kommen", sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch. "Wir rechnen auch damit, dass in einigen Regionen gar keine Züge mehr fahren können."

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Welche Regionen sind betroffen?

Die Bahn macht hierzu keine konkreten Angaben. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem in den ostdeutschen Bundesländern viele Beschäftigte bei der GDL organisiert sind. Es ist daher wahrscheinlich, dass dort vielerorts im Regionalverkehr nichts mehr geht.

Viele Mitglieder hat die GDL auch in Stuttgart und Frankfurt. In beiden Städten dürfte der S-Bahn-Verkehr stark betroffen sein. In anderen Regionen, etwa in Hessen oder Rheinland-Pfalz, kann dagegen nur sehr eingeschränkt gefahren werden. Generell hat die Bahn ihre Fahrgäste dazu aufgerufen, während des Warnstreiks nach Möglichkeit ganz auf Reisen mit der Bahn zu verzichten.

Ein ICE steht im Frankfurter Hauptbahnhof.
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Tarifkonflikt eskaliert

Mega-Streik der GDL ab Mittwochabend: So will die Bahn dagegenhalten

Im Tarifkonflikt mit der Bahn greift die Lokführer-Gewerkschaft zum schärfsten Mittel. Leidtragende sind die Bahnreisenden. Ein Notfallplan soll Härten abfedern.

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Wie lange dauert der Warnstreik?

Der Warnstreik wurde offiziell am späten Mittwochabend ausgerufen. Wie die Bahn mitteilte, mussten aber schon vorher einige Verbindungen aus dem Fahrplan genommen werden. Nur so sei gewährleistet, dass die Züge nicht auf freier Strecke stehenbleiben und nach dem Streik schnell dort sind, wo sie gebraucht werden.

Nach Angaben der GDL soll der Arbeitskampf am Donnerstag um 18 Uhr zu Ende sein. Bis zur Wiederaufnahme des Verkehrs ohne Einschränkungen nach diesem Zeitpunkt werden aber voraussichtlich noch einige Stunden vergehen. Ziel der Bahn ist es nach eigenen Aussagen, dass der Zugverkehr zum Betriebsstart am frühen Freitagmorgen wieder uneingeschränkt läuft.

Wo finde ich Informationen über meinen Zug?

Auf den digitalen Kanälen des Konzerns hat die Bahn einen Notfahrplan erstellt. Ob ein Fern- oder Regionalzug fährt oder nicht, wird über die Bahn-App oder die Internetseite angezeigt. Unter der Telefonnummer 08000-996633 hat die Bahn zudem eine Hotline für individuelle Auskünfte eingerichtet.

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Was geschieht mit meinem Ticket?

Wer für Mittwoch oder Donnerstag ein Ticket gebucht hat, kann dieses auch später nutzen. Die Bahn hat die Zugbindung aufgehoben. "Das Ticket gilt für die Fahrt zum ursprünglichen Ziel, auch mit geänderter Streckenführung", hieß es. Sitzplatzreservierungen können kostenlos storniert werden.

Warum streikt die GDL?

Überraschend kam am Dienstag die Ankündigung von Warnstreiks. In der ersten Verhandlungsrunde am vergangenen Donnerstag hatten sich beide Seiten geeinigt, im Wochenrhythmus zu verhandeln. Als ersten Verhandlungserfolg hatte GDL-Chef Claus Weselsky dies nach den Gesprächen bezeichnet. Danach war nicht geplant, zu streiken. "Doch offenbar haben die Unternehmen das Entgegenkommen der GDL falsch verstanden, vielleicht sogar als Schwäche interpretiert", teilte die Gewerkschaft dann am Dienstag mit.

Zur Begründung verweist die GDL immer wieder auf ihre Kernforderung in der Tarifauseinandersetzung: die Verkürzung der Arbeitszeit für Schichtarbeiter von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Auf diese Forderung war die Bahn in ihrem ersten Angebot nicht eingegangen. Außerdem fordert die Gewerkschaft unter anderem 555 Euro mehr im Monat sowie einen Inflationsausgleich.

Die Bahn hatte elf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 32 Monaten und ebenfalls den Inflationsausgleich im Angebot. Eigentlich wollten sich beide Seiten am Donnerstag wieder zu Verhandlungen treffen. Nach der Warnstreikankündigung sagte die Bahn die Gespräche ab.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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