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71 Prozent der Proben verseucht

Tierschützer entdecken Krankheitserreger in Lidl-Hühnerfleisch

  • Aktualisiert: 10.05.2023
  • 14:28 Uhr
  • Joachim Vonderthann

Tierschützer wollen bei Lidl eine unappetitliche Entdeckung gemacht haben. Demnach ist ein Großteil des Hühnerfleisches beim Discounter mit Krankheitserregern verseucht. 

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Das Wichtigste in Kürze

  • Lidl könnte ein neuer Lebensmittelskandal ins Haus stehen.

  • Eine Tierschutzorganisation hat in vielen Hühnerfleisch-Proben einer Lidl-Eigenmarke antibiotikaresistente Erreger gefunden.

  • Als Grund für die Verunreinigung gilt die Massentierhaltung.

Vielen Verbraucher:innen dürfte da der Appetit auf Hühnerfleisch vergehen: In der Lidl-Eigenmarke "Metzgerfrisch" hat die Tierschutzorganisation Albert-Schweitzer-Stiftung nach eigenen Angaben antibiotikaresistente Keime entdeckt. 71 Prozent der Proben seien davon befallen gewesen, hieß es in einer Mitteilung. Zudem seien weitere gefährliche Krankheitserreger auf dem Fleisch gefunden worden. 

Krankheitserreger im Lidl-Hühnerfleisch

Die Albert Schweitzer Stiftung und 15 andere Tierschutzorganisationen forderten den Discounter auf, die Standards der Europäischen Masthuhn-Initiative umzusetzen, um die Lebensbedingungen der Hühner zu verbessern. So könne Lidl auch das Gesundheitsrisiko durch Keime aus dem Stall verringer, hieß es weiter.

Der Stiftung zufolge wurden in 71 Prozent der Proben das Enzym ESBL nachgewiesen, das die auf dem Fleisch gefundenen Bakterien immun gegen mehrere gängige Antibiotika mache. Bei der Mehrzahl der resistenten Bakterien (75 Prozent) handelt es sich demnach um den Fäkalkeim Escherichia coli, der diverse Erkrankungen auslösen könne, wie etwa Harnwegs- oder Magen-Darm-Infekte. Außerdem habe das von den Tierschützern beauftragte Labor Krankheitserreger wie Enterokokken und in einem Fall auch Salmonellen entdeckt. Enterokokken können Harnwegsinfekte, Herzinnenhautentzündungen oder auch Blutvergiftungen verursachen, Campylobacter und Salmonellen Durchfallerkrankungen.

Untersucht wurden laut der Stiftung insgesamt 51 Proben von Hühnerfleischprodukten. Alle seien mit Haltungsform-Stufe 2 "Stallhaltung Plus" gekennzeichnet gewesen. Die Proben seien im Januar und Februar 2023 in acht zufällig ausgewählten Lidl-Märkten in ganz Deutschland genommen worden. Nur sechs Proben waren demnach unauffällig. 

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Tierschützer bemängeln Massentierhaltung

Der Präsident der Albert Schweitzer Stiftung, Mahi Klosterhalfen, sagte: "Wie man sieht, bedeuten die Bedingungen in den Ställen der Lidl-Lieferanten nicht nur viel Elend für die Tiere, sondern sind auch gefährlich für uns Menschen. Wir erwarten, dass Lidl das Übel an der Wurzel packt, sich endlich daran macht, die Tierhaltung zu verbessern und der Europäischen Masthuhn-Initiative beitritt. 

Die Fachärztin für Innere Medizin, Imke Lührs,  erläuterte: "Die große Mehrzahl der Proben ist mit für Menschen potenziell gefährlichen Erregern kontaminiert. Der hohe Anteil von antibiotikaresistenten Keimen auf dem Fleisch ist absolut besorgniserregend." Die Tierschutzorganisation hatte schon im vergangenen Jahr mehrfach Vorwürfe der Tierquälerei gegen mehrere Hühnermastbetriebe von Lidl-Lieferanten erhoben.

Zu den jüngsten Vorwürfen und Ergebnissen der Untersuchung durch die Albert-Schweitzer-Stiftung wollte sich Lidl nicht direkt äußern. In einem Statement an RTL hieß es: "Alle Artikel unterliegen umfangreichen Qualitätskontrollen entlang der gesamten Lieferkette. Mit unseren eigens definierten Lidl-internen Grenzwerten sind wir dabei meist noch strenger als die gesetzlichen Vorgaben."

Stiftung: Viele Todesfälle durch resistente Bakterien

Wie die Stiftung unter Berufung auf Schätzungen von Expert:innen weiter mitteilt, sterben weltweit jährlich etwa fünf Millionen Menschen mit und davon 1,27 Millionen an antibiotikaresistenten Bakterien. In Deutschland seien es pro Jahr 45.700 Todesfälle, die im Zusammenhang mit resistenten Keimen stehen, und weitere 9.650 Fälle, die direkt darauf zurückzuführen seien.

Die Einhaltung der allgemeinen Zubereitungsempfehlungen, wie etwa das Fleisch durchzugaren und  Schneidebretter gründlich zu reinigen, reiche nicht immer aus, um eine Infektion mit den Keimen zu vermeiden.

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