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Deutsch-österreichischer Milliardär

Nach AfD-Wahlerfolg:  "Schraubenkönig" Würth stellt Investitionen in Deutschland infrage

  • Veröffentlicht: 14.06.2024
  • 13:34 Uhr
  • Kira Born

Die AfD fährt ein Rekordergebnis bei der Europawahl ein - für den Unternehmer Würth ist der Rechtsruck Anlass, möglicherweise Investitionen zu stoppen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Bei den Europawahlen am 9. Juni konnte die AfD ein Rekordergebnis einfahren.

  • Infolge des Wahlergebnisses erwägt der Unternehmer Reinhold Würth, ehemaliger Chef des Würth-Konzers, weitere Investitionen in Deutschland zu überdenken.

  • Würth hatte an seine Mitarbeiter:innen zum Wahlurnen-Gang aufgefordert und eindringlich vor der AfD gewarnt.

Inhalt

27.000 Mitarbeiter:innen beschäftigt der Konzern Würth in Deutschland. Doch ob die Würth-Gruppe am Stadtort Deutschland weitere Investitionen tätigen wird, bleibt laut des ehemaligen Würth-Chefs Reinhold Würth erst einmal unter Vorbehalt. Hintergrund ist das Wahlergebnis der AfD bei der Europawahl, das dem deutsch-österreichischen Unternehmer Sorge bereitet. Im Vorfeld der EU-Wahl hatte sich der 89-Jährige in einem Brief an seine Mitarbeiter:innen gewendet und vor der AfD gewarnt.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk äußerte sich Würth am Donnerstag (13. Juni) erneut kritisch gegenüber der rechtspopulistischen Partei und gab an, dass die hohen Zustimmungswerte der AfD bei der Europawahl auch in die Strategie des Konzerns einflössen: "Und wir werden in aller Ruhe natürlich analysieren und werden überlegen, ob wir überhaupt weitere Investitionen in größerem Umfang hier in Deutschland machen werden", sagte der Industrielle im Interview.

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Würth spricht Warnung vor der AfD aus

Der als "Schraubenkönig" bekannte Unternehmer zeigte sich schockiert über das Abschneiden der AfD bei der Europawahl.  Durch das Wahlergebnis denkt der Milliardär über Konsequenzen für seine Unternehmen am Standort Deutschland nach. Im baden-württembergischen Kreis Hohenlohe, in der der Firmensitz von Würth in der Stadt Künzelsau-Gaisbach liegt, erhielt die AfD 19,1 Prozent. Das kommentierte der Unternehmer im Deutschlandfunk mit: "Wenn dieser Trend anhält jetzt, 20 Prozent, dann müssen wir vorsichtig sein als Kaufleute, wo und wie wir investieren."

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Für den Industriellen, der das Unternehmen einst vom Zwei-Mann-Betrieb zum Weltkonzern aufgebaut hat, ist das Ergebnis im Landkreis ein Schock: "Ich staune eigentlich, denn wir haben hier ja in der Gegend ein funktionierendes Gemeinwesen. […] Um nicht zu sagen, erschreckend", erläuterte er im Gespräch mit den Radiosender.

Dies sei schon eine gewisse "Wegmarke" sowohl für die Bürger:innen als auch für das Unternehmen Würth, wie der 89-Jährige angab. Nun "werden wir in aller Ruhe natürlich analysieren und überlegen, ob wir überhaupt weitere Investitionen in größerem Umfang hier in Deutschland machen werden oder ob wir gleich irgendwo in ein anderes Land verlegen".

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"Schraubenkönig" gegen Forderungen der AfD nach "Remigration"

Der Unternehmer sieht sich mit seiner Contra-Position gegen die AfD nicht allein. Er führte an, dass auch diverse andere Wirtschaftsunternehmen der AfD als Partei und ihrer Politik kritisch gegenüber stehen. "Es haben sich ja viele Wirtschaftsverbände und vor allem auch viele DAX-Unternehmen, also Siemens und so weiter, für einen freiheitlichen, liberalen, demokratischen Staat ausgesprochen", sagte der Milliardär.

Der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrates des Unternehmens begründete seine Überlegungen auch mit der Forderungen aus der AfD nach Remigration. Wenn sie diesen Begriff verwendet, meint die Partei in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll - auch unter Zwang. Würth betonte im Deutschlandfunk-Interview, dass Arbeitskräfte aus dem Ausland für sein und andere Unternehmen eine zentrale Rolle spielen: "Wir hätten Riesenprobleme, wenn wir unsere Mitarbeiter, die Ausländer sind, nicht hätten." Er schätze mal, dass 30 Prozent der Mitarbeiter:innen ursprünglich aus anderen Ländern stammten - wenn diese wegfallen würden, wäre das laut dem 89-Jährigen eine Katastrophe.

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Vor der Wahl: Appell des Industriellen, nicht die AfD zu wählen

Schon vor der Wahl hatte Würth seinen Beschäftigten in Deutschland davon abgeraten, für die AfD zu stimmen. In einem fünfseitigen Schreiben warnte der Familienunternehmer unter anderem mögliche Protestwähler: "Bloß wegen ein bisschen Spaß an der Freude Rabatz zu machen und aus Unmut über die Ampelregierung die AfD zu wählen, ist einfach zu wenig", hieß es in dem Schreiben.

In Deutschland müsse niemand hungern oder frieren, schrieb der Unternehmer. Es sei der Normalfall, dass die Menschen ein eher freiheitliches Leben leben könnten: "Es ist friedlich. Jeder hat seine Arbeit. Es ist ein gewisser Wohlstand da, das [Wahlergebnis] ist für mich überraschend", sagte er dem Deutschlandfunk. Umso unerwarteter sei für den 89-Jährigen das Ergebnis der AfD.

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Würth begann im Alter von 14 Jahren eine Lehre im damals kleinen Betrieb seines Vaters, ehe er diesen nach dessen Tod 1954 als 19-Jähriger übernahm. Der Milliardär zählt zu den reichsten Deutschen. Für den Handelskonzern mit seinem Namen arbeiten aktuell nach Unternehmensangaben weltweit mehr als 87.000 Menschen.

  • Verwendete Quellen:
  • Tagesschau: "Unternehmer Würth erwägt Stopp von Investitionen"
  • Nachrichtenagentur dpa
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