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Dokumenten-Affäre

"Älterer Mann mit schlechtem Gedächtnis": Biden wütend über Ermittlungsbericht

  • Aktualisiert: 10.02.2024
  • 12:32 Uhr
  • Anne Funk

Dass Joe Biden zu alt für das Amt des US-Präsidenten ist, wurde bereits häufiger aufs Tablett gebracht. Nun steht dieser Vorwurf auch in einem offiziellen Ermittlungsbericht - und bringt den 81-Jährigen ziemlich auf die Palme.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Joe Biden soll geheime Regierungsdokumente in seinem Privathaus aufbewahrt haben.

  • Nun wurde ein abschließender Ermittlungsbericht vorgelegt.

  • Zwar wird es für Biden kein juristisches Nachspiel geben - doch der Bericht spricht von "erheblichen Einschränkungen" des Gedächtnisses aufgrund seines hohen Alters.

Das hat Joe Biden überhaupt nicht gut gefallen: Nach der Veröffentlichung des Ermittlungsberichts in der Affäre um Geheimdokumente stellte sich der US-Präsident wütend vor die Presse. Der Grund liegt allerdings nicht in der eigentlichen Sache um die Dokumente, sondern in dem, was darin nebenbei erwähnt wird. Nämlich, dass er ein "wohlmeinender älterer Mann mit einem schlechten Gedächtnis" sei.

Für Biden, der sich schon öfter anhören musste, er sei zu alt für das höchste Amt des Landes und gesundheitlich nicht fit genug, ein Affront. "Ich weiß, was zum Teufel ich tue. Ich bin Präsident und ich habe dieses Land wieder auf die Beine gebracht", schimpfte der 81-Jährige sichtlich aufgebracht an einem Pult im Weißen Haus. Der Demokrat hatte extrem kurzfristig ein Statement in der Regierungszentrale anberaumt, um sich seine Wut von der Seele zu reden.

Biden ein tattriger Greis?

Der brisante Abschlussbericht von Sonderermittler Robert Hur zur Dokumenten-Affäre, die Biden vor etwa einem Jahr in Erklärungsnot brachte, beinhaltete eigentlich eine positive Nachricht für den 81-Jährigen: Die Tatsache, dass er Jahre nach seinem Abschied aus dem US-Vizepräsidentenamt vertrauliche Regierungsunterlagen privat aufbewahrte, hat für den jetzigen Präsidenten kein juristisches Nachspiel.

Doch dann das vernichtende Urteil von Hur: Der mächtigste Mann der Welt wird in aller Ausführlichkeit als tattriger Greis dargestellt, dem man schwerlich böse Absicht nachweisen könne. Mitten im Wahlkampf für eine zweite Amtszeit für Biden politisch verheerend.

Im Video: "Das muss aufhören" - Biden kritisiert Israels Vorgehen im Gazastreifen

Er will bei der Präsidentenwahl in diesem Jahr erneut antreten - sein Alter ist dabei das größte Problem seiner Wiederwahlkampagne. Sogar in seiner eigenen Partei stellen sich einige die Frage, ob Biden in seinem Alter die richtige Wahl für einen der härtesten Jobs der Welt ist.

Die Republikaner nutzten bereits zuvor Bidens ständige Patzer für andauernde politische Angriffe. Neues Futter liefert der Präsident regelmäßig: Allein innerhalb einer Woche verwechselte er zuletzt Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron mit einem von dessen Vorgängern, François Mitterrand - und kurz darauf die frühere deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit dem verstorbenen Ex-Regierungschef Helmut Kohl.

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Gespräche seien "oft quälend langsam" gewesen

In dem Bericht von Hur heißt es weiter, Bidens Gedächtnis habe "erhebliche Einschränkungen" offenbart und sei teils "verschwommen" gewesen. Bei den Ermittlungen hatte Biden den Ermittlern selbst an zwei Tagen im vergangenen Oktober fünf Stunden lang Rede und Antwort gestanden. Die Gespräche seien "oft quälend langsam" verlaufen, heißt es in dem Bericht.

Biden habe Mühe gehabt, sich an Ereignisse zu erinnern und mitunter sogar, eigene Notizen zu lesen und wiederzugeben. "Er wusste nicht mehr, wann er Vizepräsident war, vergaß am ersten Tag des Gesprächs, wann seine Amtszeit endete und vergaß am zweiten Tag des Gesprächs, wann seine Amtszeit begann." Der Präsident habe sich auch nicht mehr erinnern können, wann sein Sohn Beau gestorben sei.

Über diesen Punkt regt sich Biden bei seinem Auftritt ganz besonders auf. "Wie zur Hölle kann er es wagen, das aufzubringen", schimpft er über den Sonderermittler. Der Tod seines Sohnes ist eine der offenen Wunden in Bidens Leben. Auch sonst weist er mehrere Anschuldigungen aus dem Bericht zurück - und all die Zweifel an seiner geistigen Verfassung.

Im Bericht kam Hur zu dem Schluss, dass in der Dokumenten-Affäre keine Anklage gegen Biden gerechtfertigt sei. Zwar habe der Demokrat als Privatperson "absichtlich geheime Materialien aufbewahrt" und mitunter auch mit seinem Ghostwriter geteilt. Dass dies dennoch keine juristischen Konsequenzen haben wird, begründet Hur unter anderem mit Bidens geistigem Zustand.

Im Video: Peinlicher Aussetzer - Biden verwechselt Macron mit verstorbenem Vorgänger

Bei Wut-Auftritt erneute Verwechslung

"Wir haben auch bedacht, dass sich Herr Biden vor Gericht wahrscheinlich als sympathischer, wohlmeinender, älterer Mann mit schlechtem Gedächtnis darstellen würde, wie er es auch während unserer Befragung tat." Es wäre wohl schwierig, Geschworene davon zu überzeugen, dass sie Biden nach seiner Amtszeit - "einen dann ehemaligen Präsidenten weit über 80" - einer Straftat für schuldig befinden sollten, die "einen geistigen Zustand der Vorsätzlichkeit" erfordere.

Ermittler hatten in Bidens Haus in Wilmington unter anderem als vertraulich eingestufte Dokumente zu Afghanistan gefunden - in einem ramponierten Papp-Karton, umgeben von allerlei Haushaltsgegenständen, etwa einer Leiter, Blumentöpfen, Deko-Material. Fotos von diesem Fund und diversen anderen sind in dem Bericht enthalten. Das Weiße Haus hatte vorab die Möglichkeit, Schwärzungen des Berichtes zu verlangen, machte davon aber keinen Gebrauch.

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:newstime

Biden sei zwar ein älterer Mann, aber sein Gedächtnis sei völlig in Ordnung, wetterte der Präsident also nun vor den Journalist:innen. Sein Versuch, die Öffentlichkeit von seiner Eignung für das höchste Amt im Staat zu überzeugen, endet in einem turbulenten Schlagabtausch mit der Presse - und mit einem weiteren Beleg, dass der älteste US-Präsident aller Zeiten tatsächlich vieles durcheinanderbringt: Er war eigentlich schon dabei, nach seinem Wut-Auftritt den Raum zu verlassen, da stoppt er. Er kehrt zurück ans Pult, um noch eine Frage zum Konflikt im Nahen Osten zu beantworten - und macht den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi zum Staatschef von Mexiko.

  • Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
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