Russ Meyer: Meister der barbusigen Groteske

Wer Russ Meyer als bloßen Regisseur von Low-Budget-Pornos bezeichnet, verkennt sein Talent und großes Schaffenswerk. Denn hinter der knallbunten inszenierten Fleischeslust verbirgt sich die satirische Entlarvung einer gesellschaftlichen Morbidität.

Die Russ Meyer Filmreihe: Highlights

"Der unmoralische Mr. Teas" (1959)

Nach einer Narkose beim Zahnarzt erhält Mr. Teas Superkräfte: Plötzlich ist er in der Lage, angezogene Frauen nackt zu sehen. Der Segen wird zum Fluch, den ein Psychiater kurieren soll. Brillantes Filmdebüt von Russ Meyer, das den subtilen Tiefgang seines Werkes einleitete.

"Eva und der Mann für alles" (1961)

In diesem Film wird wohl eines der populärsten Sex-Klischees überhaupt bedient: Ein lüsterner Hausmeister werkelt und schraubt in den Haushalten diverser Frauen – die kommen bei seinem Besuch natürlich immer gerade aus der Wanne oder haben den Bademantel nicht zur Hand. Als er dann auf die schöne Eva trifft, darf der Hausmeister auch mal mehr, als nur gucken.

"Lorna – Zuviel für einen Mann" (1964)

Als die Provinzschönheit Lorna eines Tages ihren nackten Traumkörper im Fluss aus dem Wasser streckt, lauert schon ein entflohener Sträfling auf sie und vergewaltigt sie. Statt Hass empfindet Lorna jedoch Sympathie für ihren Peiniger. Hinter der banal anmutenden Geschichte kommentiert Meyer das im Film dargestellte Südstaaten-Milieu auf eine ironisch-kritische Weise.

"Die Satansweiber von Tittfield" (1965)

Dass die Protagonistinnen in den Filmen von Russ Meyer mehr sind als reine Lustobjekte, sondern durchaus emanzipierte Frauen mit geradezu feministischer Attitüde, zeigt der Regisseur in „Die Satansweiber von Tittfield“ – „Faster Pussycat! Kill! Kill!“ im Original. Varla, Rosie und Billie steigen für einen Road Trip ins Auto und lassen ihr bürgerliches Leben hinter sich. An einer Tankstelle angekommen, müssen die Betreiber schnell feststellen, dass mit dem vollbusigen Trio nicht zu spaßen ist…

"Motorpsycho … wie wilde Hengste" (1965)

Eine Motorradbande treibt in der Wüste von Las Vegas ihr Unwesen. Als die Gangmitglieder die Frau des Tierarztes Cory Maddox vergewaltigen, ist dieser auf Rache aus. Der Beginn einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd, bei der Russ Meyer durch das voyeuristische Guckloch dem Zuschauer einen kritischen Blick auf den „American Way of Life“ gewährt.

"Mudhoney – Im Garten der Lust" (1965)

Der sadistische Farmer Sidney Brenshaw ist der Inbegriff des Bösen: Er misshandelt seine Frau, peinigt ihre Liebhaber und ermordet sogar die Predigerfrau. Am Ende sollen die Gräueltaten von Brenshaw jedoch nicht ohne Konsequenzen bleiben. Russ Meyer zeigt sich in „Mudhoney“ als großer Moralist in einer unmoralischen Welt.

"Mondo Topless" (1966)

Dieser Pseudo-Dokumentarfilm gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Sexploitation-Genres. In teils dilettantisch verwackelten Bildern beleuchtet Russ Meyer das Leben von Strippern in San Francisco während der sexuellen Revolution in den 1960er-Jahren. Provokant, schräg und vor allem eines: oben ohne.

"Die Liebestollen Hexen" (1967)

Das Praktische an Russ Meyer-Streifen: Mann bekommt immer, was der Titel verspricht – und „Die liebestollen Hexen“ bilden da keine Ausnahme. Die Geschichte ist schnell erzählt: Hoople’s Haven ist ein Ort der Sünde, wo die üppig ausgestattete Sheila den männlichen Besuchern die hohe Kunst der Liebe beibringt – oh, là, là!

"Guten Morgen… und auf Wiedersehen" (1967)

Burt leidet unter Impotenz und seine Frau Angel deswegen an sexueller Frustration. Welch Glück, das Vorarbeiter Stone da ist und der dunkelhaarigen Schönheit  seine Liebesdienste zur Verfügung stellt – bis Stieftochter Lana ins Spiel kommt, Burt seine Männlichkeit durch eine vollbusige Zauberin zurückerhält und das Eifersuchtsdrama seinen Lauf nimmt. Der ganz normale Russ Meyer-Wahnsinn eben.

"Null Null Sex" (1968)

Kelly ist es leid, die Eskapaden ihres Mannes Paul ertragen zu müssen. Sie rebelliert gegen den Liebsten, indem Sie beginnt, oben ohne in einem Club zu tanzen. Das gefällt vor allem Barmann Ray, der sich auf ein Techtelmechtel mit ihr einlässt. Als Paul seine Frau zu Hause nicht vorfindet, ist das Unheil perfekt. Russ Meyer ist in „Null Null Sex“ („Finders Keepers, Lovers Weepers!“) mit einem kurzen Cameo-Auftritt zu sehen.