So sieht's aus.

Das gemeinsame Konto - Ist die Liebe reif für die Finanz-Verschmelzung?

Nach einigen Jahren oder auch Monaten in einer festen Beziehung, stören sich immer mehr Paare an ihrer Finanzsituation. Nicht etwa zu wenig Geld ist hier das Problem. Vielmehr machen getrennte Konten das Beziehungsleben oft komplizierter, denn über Ausgaben und Einnahmen herrscht Unklarheit. Kein Wunder also, dass der Wunsch nach einem gemeinsamen Konto früher oder später laut wird. Vor dieser wichtigen Entscheidung sollten sich jedoch beide Partner mit deren Auswirkungen beschäftigen und einen individuell passenden Plan schmieden.

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In der Elternzeit kann ein gemeinsames Konto mehr Flexibilität bieten.       © mario0107 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Wann sich ein gemeinsames Konto lohnt

Die Miete für die gemeinsame Wohnung, Haushaltseinkäufe und Reisen: Es gibt zahlreiche Ausgaben, die in einer Beziehung von beiden Partnern getragen werden. Schließlich bestehen Frauen von heute immer stärker auf finanzieller Unabhängigkeit und möchten sich auch in Sachen Geld gleichberechtigt fühlen. Selbst wenn der Mann – und das ist in den meisten Beziehungen der Fall – über ein höheres Einkommen verfügt, kann das gemeinsame Konto für Ausgeglichenheit sorgen. „Was dein ist, ist auch mein“, erhält mit demselben Online-Banking Zugang eine ganz neue Qualität.

Eine Umfrage des IfD Allensbach bringt Licht ins Dunkel der deutschen Beziehungen. Hier gaben rund 56 Prozent aller befragten Paare an, ausschließlich ein gemeinsames Konto zu pflegen, während in 26 Prozent der Fälle jeder Partner sein eigenes Konto behielt. Knapp 16 Prozent entschieden sich für den Mittelweg und kombinierten gemeinsames und eigenes Konto. Allein hieran wird erkennbar, dass es bei der Gestaltung finanzieller Belange mehr als nur eine Lösungsmöglichkeit gibt.

Dennoch lohnt sich ein gemeinsames Konto in vielerlei Hinsicht. Insbesondere Paare, die schon länger zusammen sind und einige gemeinsame Ausgaben tätigen müssen, geraten nicht selten in Streit über die Verteilung der Ausgaben. Dies lässt sich verhindern, indem die finanziellen Schnittpunkte von einem gemeinsamen Girokonto aus bedient werden. Auch wenn aus einem Liebespaar ein Elternpaar wird und die Elternzeit für den finanziellen Ausfall eines Partners sorgt, kann ein gemeinsames Konto das Leben erleichtern. Immerhin müssen sich Frauen dann nicht wie Bittstellerinnen fühlen und Männer können ihrer Partnerin mehr Freiheit bei der Alltagsgestaltung bieten. Dabei sollten sich Paare vorab darüber einig sein, welche Posten vom gemeinsamen Konto gezahlt werden. Gibt es ausschließlich ein gemeinsames Konto, erübrigt sich diese Frage selbstverständlich.

Die individuelle Situation berücksichtigen

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Eine feste Bindung mit positiven Zukunftsaussichten ist die Basis für gemeinsame Finanzen. (Quelle: Takmeomeo (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Unsicherheit hinsichtlich der Entscheidung hat ihren Ursprung selten in finanziellen Angelegenheiten. Schließlich teilen Paare gerne und sehen sich auch in Sachen Geld als Einheit. Ein gemeinsames Konto unterstreicht die Stabilität der Bindung und den Wunsch, auch in der Zukunft zusammenzubleiben.

Schleicht sich jedoch die Frage ein, ob die eigene Beziehung stabil genug für ein gemeinsames Konto ist, sollten Paare dies nicht auf die leichte Schulter nehmen. Oft nämlich ist dies ein Anzeichen für Handlungsbedarf. Gründe wie

  • Untreue ,
  • Unehrlichkeit
  • und häufiger Streit

lassen die Bereitschaft zu finanzieller Gemeinsamkeit schwinden. Auch wenn sich weitere Anzeichen für eine wenig zukunftsfähige Partnerschaft zeigen, sollte die Frage nach der Kontoeröffnung besser noch warten, bis über Wohl und Wehe der Beziehung entschieden wurde. Wie solche Anzeichen aussehen können, hat die Mitteldeutsche Zeitung in einem Artikel zusammengefasst .

Spricht jedoch nichts für ein baldiges Beziehungsende, darf gerne über die finanzielle Zukunft gesprochen werden. Dann ist es wichtig, die individuellen Gegebenheiten und mögliche Veränderungen in den kommenden Jahren zu berücksichtigen. Steht beispielsweise der Kauf eines Hauses an und können die Kreditraten von einem gemeinsamen Konto gezahlt werden, schafft dies ein Wir-Gefühl. Zahlt jedoch einer der Partner die Hausraten ganz alleine, können durchaus zwiespältige Gefühle entstehen.

Neu eröffnen oder nicht?

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Wurden die Blumen mit EC-Karte gezahlt, wusste sie möglicherweise längst Bescheid. (Quelle: Unsplash (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Wie die bereits erwähnte Umfrage zeigt, stehen Paaren bei der Auswahl ihres Konten-Szenarios mehrere Optionen zur Verfügung. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, muss meist ein neues Konto her. Es ist zwar möglich, dass einer der Partner sein Konto in ein gemeinsames umwandelt, während der andere seines kündigt, hiermit verbauen sich Paare jedoch nicht selten den Weg zu Girokonten mit besseren Konditionen. Vor der Entscheidung sollten Paare daher verschiedene Girokonten online vergleichen und erst dann überlegen, welche Bank den Vorstellungen beider Partner entspricht. Der Verzicht auf das eigene Konto und die vollkommene Verschmelzung ist dabei sicherlich der härteste Schritt. Immerhin geben Partner mit einem gemeinsamen Konto auch einen Teil ihrer Privatsphäre auf. Wird das Valentinstags-Geschenk per Überweisung oder EC-Karte gezahlt, sieht auch der Partner schnell, was Blumen und Schokolade gekostet haben. Zudem steigt die Gefahr, dass Überraschungen schon vor ihrer eigentlichen Enthüllung preisgegeben werden. Die Überraschungsreise zum Hochzeitstag, schon Wochen vor dem Abflug gebucht und bezahlt, ist dann längst kein Geheimnis mehr.

Der perfekte Mix aus Gemeinschaft und Privatsphäre entsteht bei der Ergänzung eigener Konten um eine gemeinsame Variante. Hier können beide Partner monatlich einen fixen Betrag überweisen, um die regelmäßigen Haushaltskosten zu decken, müssen ihre privaten Ausgaben jedoch nicht offenlegen. Dass hinter dem Wunsch nach ein wenig Privatleben keinesfalls Untreue oder Unehrlichkeit stehen, sollte für Frauen und Männer in einer stabilen Beziehung selbstverständlich sein.