- Bildquelle: Robert Eikelpoth © Robert Eikelpoth

Auf den ersten Blick haben Schandmaul ein Luxusproblem: Die Erwartungshaltung gegenüber ihrem neuen Studioalbum ARTUS ist hoch. Für dessen Vorläufer TRAUMTÄNZER (2011) und UNENDLICH (2014) gab es jeweils bereits Gold, während der direkte Vorgänger LEUCHTFEUER (2016) sich ebenfalls auf dem besten Weg zum Edelmetall befindet und erstmals in der Bandgeschichte auf den ersten Platz der deutschen Alben-Charts kletterte.

 

Doch bei genauerer Betrachtung gehen die Folklore-Rocker aus München auf ARTUS derart unbeschwert zur Sache, als ob keinerlei Druck auf ihren Schultern gelastet hätte. Schandmaul spielen in diesem Song all ihren Stärken gekonnt aus und der Text erweist sich als spannende Vignette mit dem eponymen Protagonisten als Erzähler. Sänger Thomas Lindner hat sich längst zu einem grandiosen Geschichtenerzähler entwickelt, der es scheinbar mühelos schafft, Weltliteratur wie Herman Melvilles „Moby Dick“ in dem finalen Stück „Der Weiße Wal“ in wenigen Minuten in seiner Essenz zu erfassen.

 

„Musikalisch bekommt der Zuhörer grundsätzlich das, was er von uns erwartet, nämlich ‚Schandmaul‘, betont Thomas. „Das heißt: handgemachten Rock, der mit folkigen und mittelalterlichen Klangfarben unterschiedlichster Couleur versehen ist. Es gibt Dudelsäcke, allerlei Flöten, Drehleier und Geigen und vieles mehr zu hören. Des Weiteren bereitet es uns allerdings auch eine diebische Freude, unseren Horizont in Sachen Instrumentierung stetig zu erweitern. So lassen sich auch neue Saiten-, Blas-, Tasten- und Schlaginstrumente wie Cister, Laute, Oboe, Spinett und viele andere mehr auf unserem neuen Album entdecken. Unser Klanguniversum expandiert.“

 

Letztlich bildet jeder Song auf ARTUS eine engmaschige Einheit aus Musik und Wort, wobei dieser musikalische Bilderteppich aus vielerlei Klangfarben zu einem makellosen Gesamtbild verwoben ist. Dabei darf natürlich ein traditionelles Epos nicht fehlen, wie beispielsweise die wiederholte Rückkehr zum Lied der Nibelungen und dem Drachentöter Siegfried auf vorherigen Alben. Ihrem Helden, dem Britenheroen ARTUS, widmen Schandmaul drei Songs ihres neuen Werks: „Die Tafelrunde“, „Der Gral“ und „Die Insel - Ynys Yr Afallon“.

 

„Die Artus-Sage, ist eine DER großen europäischen Geschichten!“, erläutert Thomas Lindner die Themenwahl. „Die zahlreichen Legenden, die sich um den großen König der Briten, die Tafelrunde, den Gral und die geheimnisvolle Insel Avalon sowie die Figuren Merlin und Morgana, Lancelot und Parzival ranken, sind ebenso allgegenwärtig, wie geheimnisumwoben. Eine Vertonung war nahezu ein ‚Muss‘ für uns! Aber nicht ausschließlich. Wie immer bleiben wir unserem Ruf als Geschichten- und Märchenerzähler treu. Auf unserem neuen Album finden sich ebenso Geschichten aus dem ‚hier und jetzt‘, gehüllt in Gewänder vergangener Zeiten, große Erzählungen altehrwürdiger Künstler oder einfach unserer Phantasie entsprungen.“

 

Auch grafisch greifen Schandmaul diesmal auf eigene Stärken zurück. So entstammt das Cover von ARTUS den zeichnerischen Künsten von Sänger Thomas Lindner persönlich.

Das offizielle Video