- Bildquelle: Dennis Dirksen © Dennis Dirksen

2020 war für viele kein gutes Jahr. Für den niederländischen Singer und Songwriter remme (der sich und all seine Songtitel gerne klein geschrieben sieht) lief es paradoxerweise dennoch ziemlich gut. Zwar hätte er sicher gerne „normale“ Konzerte gespielt und Europa bereist, aber seine Musik verbreitete sich auch so wie ein kleines Lauffeuer. Außerdem konnte er noch seinen Gig beim renommierten Eurosonic Noorderslag Festival in Groningen wahrnehmen – ein Showcase Festival, bei dem nur die besonders heiß gehandelten Newcomer Acts auftreten dürfen. Schon Sam Smith oder George Ezra spielten dort die Shows, mit denen sie die internationale Presse und die Festivalbooker*innen überzeugten. remmes erste Single „get older“ hat inzwischen allein bei Spotify rund sechs Millionen Streams erspielt. Tendenz steigend.

Das Lied ist eine gute Wahl, wenn man remme und seine Musik kennenlernen will. „get older“ steht in der Tradition der großen Songwriter der Popgeschichte, die er selbst auch als Einflüsse aufzählt: Fleetwood Mac, Bruce Springsteen, Jeff Buckley fallen ihm da ein. Aber er hat auch die jüngeren Popstars im Blick, von Justin Bieber über Billie Eilish bis zu Frank Ocean. „Das ist sehr verschieden,“ sagte er dazu mal in einem Interview, „aber vielleicht ist es so ein Millennial-Ding, dass wir uns da keine Grenzen setzen.“ remme hat nicht nur eine sehr charismatische Stimme, er spielt zudem vorzüglich Gitarre und Klavier. Bei „get older“ hat er sich für Letzteres entschieden. Im Video sitzt er mit ernstem Blick daran, in einem schlicht-weißen T-Shirt – und sieht aus wie der süße Nachbarsjunge. Bis er dann zu singen beginnt und man eine Stimme hört, die eher nach einer alten Seele klingt, die schon viel gesehen und erlitten hat. „Six months, 60 seconds, one minute / 

Time doesn't matter when we get older, we get older“, singt er im Refrain. 

Trotzdem sei der Song keine traurige Hymne auf Tod und Vergänglichkeit, erklärte remme im Magazin Musikexpress, dem er eines seiner ersten Interviews im deutschen Raum gab. „Nachdem wir das Lied aufgenommen hatten, hatte ich das Gefühl, dass es nicht so sehr um das Altern geht, sondern eher darum, Chancen zu ergreifen.“ Er erklärt: „Wenn du in der U-Bahn plötzlich ein Mädchen siehst, aber nicht den Mut hast, sie anzusprechen, dann ist sie in der nächsten Minute auch schon wieder weg. Man hat die Wahl, schnell zu handeln. Für mich ist es das, worum es bei ‚get older‘ geht: Chancen ergreifen, bevor sie an einem vorbeiziehen.“

Kein schlechter Rat für Jung und Alt. Bis jetzt scheint remme jedoch ein gutes Händchen dabei zu haben, seine eigenen Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Schon die Nachfolge-Single „hunger“, die ihn diesmal an der Gitarre zeigt, wurde ähnlich erfolgreich, kurz vor Jahresende erschien dann „bittersweet“, das zur Abwechslung mal auf elektronische Beats setzt. Eine spannende Mischung, die sicher noch spannender wird, wenn man ihn wieder live spielen sehen kann. 

Das offizielle Video