Der Eisbrecher-Sound ist mit dem Bandnamen ja eigentlich schon ganz gut umrissen: Kühl, stark, zerschmetternd, schillernd ist ihre Version der Neuen Deutschen Welle, die Metal- und Rockfans ebenso anlockt wie die Gothic-Fraktion oder den ein oder anderen Industrial-Fan, der hin und wieder auch mal was mit Melodien braucht. Auf ihrem neuen Album „Schicksalsmelodien“ lassen Sänger Alexander Wesselsky, Lead-Gitarrist/Keyboarder Noel Pix, Schlagzeuger Achim Färber, Gitarrist Jürgen Plangger und Basser Rupert Keplinger nun ihren Eisbrecher-Sound auf einige der bekanntesten Stücke der jüngeren deutschsprachigen Musikgeschichte los. Ein irgendwie logischer Schritt, denn schon ihr 2017 aufgenommenes Grauzone-Cover „Eisbär“ zeigte den Reiz dieser Idee.

„Der Startschuss für Schicksalsmelodien war die Anfrage von Powerwolf, den Song ‘Stossgebet’ neu aufzulegen“, erzählte Noel Pix im Vorfeld. „Wir hatten auf unseren vorherigen Alben immer wieder mal einen Coversong, insofern ist uns diese Kunstform nicht fremd.“ Alex Wesselsky ergänzt: „Anschließend haben wir einfach weitergemacht, weil wir es spannend und herausfordernd fanden, Lieder, die anderen Köpfen und Seelen entsprungen sind, in den Eisbrecher-Sound zu übersetzen.“

Als Vorgeschmack gab es dabei zunächst den „Skandal im Sperrbezirk“, der hier bedeutend raudiger und härter klingt als bei der Spider Murphy Gang. Laut Wesselsky ein „Wahnsinns-Song, ein Skandal um den Skandal. Damals durfte man nicht ‘Nutte’ sagen. Erzähl das mal einem krassen Deutsch-Rap-Kid aus der heutigen Zeit. Damals, in der Zeit der Unschuld, bekam ich die Scheibe zu meinem 11. Geburtstag. Ich stand auf Iron Maiden, AC/DC, Spider Murphy Gang, ELO und Falco.“ Es waren also diese Lieder, die für Eisbrecher die Zeit der Unschuld beendeten. Von Falco ist übrigens „Out Of The Dark“ auf dem Album vertreten.

Besonders reizvoll ist die ja eigentlich sehr naheliegende Idee bei NDW-Klassikern wie Witts „Goldener Reiter“ oder „Anna Lassmichrein Lassmichraus“ von Trio, aber auch Schlager wie Hans Albers „Flieger, grüß mir die Sonne“, den ja schon Extrabreit aufpoliert haben, machen sich gut im Eisbrecher-Sound. Die Cover von den Toten Hosen („Disco und Moskau“) und Die Ärzte („Bitte, Bitte“) ziehen wir jedoch weiterhin im Original vor. Schön ist auch die Verneigung vor der eigenen Bandgeschichte: Mit „Freiflug“ verneigen sich Wesselsky und Pix vor ihrer eigenen ehemaligen Band Megaherz.