- Bildquelle: Danny Clinch © Danny Clinch

Es bleibt eine Ironie der Rockgeschichte, dass ausgerechnet der Drummer der wildesten und nihilistischsten Grunge-Band, Nirvana, inzwischen als der bestgelaunteste Mann im Rock’n’Roll gilt. Aber so ist es nun mal mit Dave Grohl – dem Sänger, Gitarristen, Songwriter und Boss der Foo Fighters. Man muss wirklich lange suchen, um jemanden zu finden, der ihn nicht für einen Pfundskerl hält. Grohl selbst sagte kürzlich in der aktuellen Ausgabe des deutschen Rolling Stone dazu: „Ich weiß, dass es hilft, wenn man in seinem Leben eine offene Energie hat, bei der alle eingeladen und mit eingeschlossen sind. Ich glaube ganz fest an diese nicht greifbare Vorstellung von Liebe und Verbindung“. Dann lachte er freundlich und gibt zu: „Ich weiß, das klingt cheesy“. Dem SZ-Magazin verriet Dave Grohl derweil, wie er von heute auf die Zeit mit Kurt Cobain und Nirvana blickt: „Kennen Sie das, wenn sie in alten Fotoalben blättern? Da sind die Knie zu dünn, da sind die Zähne zu schief … Ich sehe alte Mitschnitte von Nirvana-Konzerten und denke immer, warum haben die mich nicht gefeuert? Der schlaksige Typ da hinten, das ist doch der totale Trottel.“ 

Das nennt man wohl Understatement, denn schon damals hielten ihn viele für einen der besten Drummer im Rock. Als Dave Grohl dann von den Drums an Gitarre und Mikro wechselte, zeigte sich ebenfalls recht schnell, was er kann. War das Debüt „Foo Fighters“, das nur ein Jahr nach dem tragischen Ende von Nirvana erschien, noch aggressiver Pop-Punk, hatte schon der Nachfolger „The Colour And The Shape“ das volle Hitpotential zwischen stadiontauglichen Balladen („Everlong“) und straighten, melodischen Rockstücken („Monkey Wrench“). Da wundert es also nicht, dass auch das zehnte Album der Foo Fighters, „Medicine At Midnight“, wieder ein Crowd Pleaser im besten Sinne ist. Wobei die Band ebenfalls hörbaren Spaß hat. Denn, so Grohl im Rolling Stone, das sei ja heute die größte Herausforderung: „Nach 25 Jahren und ein paar Hundert Songs ist die Bandbreite in unserem Katalog wirklich groß. Also muss man bei der nächsten Platte überlegen: Was hat man noch nie gemacht? Wir sind ja alle mit sehr unterschiedlichen Sachen aufgewachsen, aber wir lieben alle Rockmusik, zu der man tanzen kann – David Bowie, Power Station, The Rolling Stones. Diesen Groove hatten wir bisher nie erforscht. Da wollten wir hin.“

Das ist den Foo Fighters vor allem in der ersten Singleauskoppelung „Shame Shame“ gelungen. Platz für ergreifende Balladen haben sie dennoch. Eine heißt „Waiting On A War“. Ein politischer Song, geschrieben zu der Zeit, als sich Amerika und Nordkorea auf der weltpolitischen Bühne mal wieder mit geladener Waffe gegenüberstanden, wie Grohl dem Stone erzählte. „Als ich eines Tages meine elfjährige Tochter zur Schule brachte, fragte sie: ‚Dad, werden wir in den Krieg ziehen?‘ Und ich merkte, dass sie dieselben Ängste hatte wie ich als Kind. Und das macht mich so wütend.“ Und traurig, denn dieses Lied hat das Potential, auch den stärksten Foo Fighters-Fans zum Weinen zu bringen –spätestens, wenn man es irgendwann mit Grohl und seiner Band in einer großen Arena live mitsingen kann.

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