Vom Spinner zum Gewinner

Johannes & Joseph Schreiter - Frankfurter Brett

Alter

34

Wohnort

Offenbach

Unternehmen/Idee

Frankfurter Brett – die Werkbank für die Küche

Webseite

www.frankfurter-brett.de

Wie seid Ihr auf die Idee zu Eurem Geschäft gekommen, was gab Euch die Inspiration dafür?

Es war eigentlich ganz einfach: Johannes ist Koch, und beobachtet eines Tages eine eigentlich recht alltägliche Situation im stressigen Küchenalltag: Ein Kollege nimmt einen Lebensmittelbehälter, klemmt ihn zwischen sich und die Arbeitsplatte, legt sein Schneidebrett oben drauf und arbeitet direkt vom Schneidebrett herunter in den Behälter. Beeindruckt von Schnelligkeit und Effizienz der Technik, recherchiert er kurz und erkennt: Es gibt noch kein Produkt auf dem Markt, welches diese Funktionalität anbietet. In der darauf folgenden Woche haben wir zusammen einen ersten Prototypen gebaut, und nach begeisterten Reaktionen aus dem Umfeld in der darauf folgenden Woche unser internationales Patent angemeldet. 

 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Zwar bringen wir mit unseren Vorerfahrungen (Johannes: Maurermeister/Joseph: Systemgastronom) und jetzigen Berufen (Johannes: Koch/Joseph: Produktdesigner) ziemlich gute Voraussetzungen mit, um ein solches Projekt auf die Beine stellen zu können, jedoch haben wir noch nie vorher ein Unternehmen gegründet, noch uns irgendwie mit Themen wie Marketing, Herstellungsprozessen und Logistik auseinandergesetzt. Und gerade der Schritt von der Idee über den Prototypenbau hin zu einem Serienprodukt war für uns enorm herausfordernd und komplex zu bewältigen. 

 

Was gab Euch den Mut zur Umsetzung?

Wir hatten eigentlich keine andere Wahl: Entweder wir machen das jetzt, oder wir werden mit dem Wissen alt, es nie versucht zu haben. So gesehen bestand nur ein positives Risiko für uns: Das Risiko, glücklich zu werden. Und so betrachtet, kann man eigentlich nur gewinnen.

 

Gibt es einen Plan B? Wie sieht der aus?

Es gibt keinen Plan B. Aber jede Menge andere, genauso tolle Ideen.

 

Was ist wichtiger, das Herzblut oder der Geschäftssinn?

Das Herzblut sollte Geschäftssinn beinhalten, sonst ist es Träumerei.

 

Gibt es überhaupt noch Marktnischen für neue Geschäftsmodelle?

Es wird immer einen Markt für gute Produkte und clevere Lösungen geben, das ist sicher. Und durch Plattformen wie  Kickstarter.com  &  Indiegogo.com  war es zugleich noch nie so leicht, eine gute Produktidee real werden zu lassen. Der Trend geht aus unsere Sicht vom austauschbaren Massenprodukt hin zu Nischenprodukten: Produkte, die durchdacht und besonders sind, einen Wert besitzen und Bestand haben. Und wenn man dann noch genug Herzblut vermischt mit Geschäftssinn hat, dann findet man seine Marktnische. 

 

Wie finanziert Ihr Eure Idee?

Wir haben unsere Idee mit Hilfe einer Internet-Kampagne ins Leben gerufen, bei der wir auf Kickstarter.com unsere Idee und uns vorgestellt haben und dort innerhalb von 30 Tagen rund 500 Vorbestellungen eingesammelt haben. Mit dem Geld dieser Vorbestellungen läuft jetzt die Produktion an und wir wollen in den nächsten drei Monaten sämtliche 500 Schneidebretter ausliefern. Das hatte für uns den großen Vorteil, dass wir die gesamte Firmengründung und den teuren Produktionsstart ohne Schulden oder Investoren stemmen konnten, wodurch wir jetzt weitgehend frei agieren können.

 

Habt Ihr einen ultimativen Tipp für neue Projekte?

Wer eine Firma gründen will, sollte sich vor allem eines klar machen: Man wird jede Menge Fehler machen und Entscheidungen falsch treffen. Dabei sind Fehler kein Unglück, sondern im Gegenteil zeigen sie einem, wo das Verständnis oder die Wahrnehmung noch mangelhaft war. So helfen einem Fehler, eine klare Sicht auf sein Produkt, seinen Markt und auf seine Aufgaben zu bekommen und sollten deswegen unbedingt als etwas Positives gesehen werden. Wer keine Fehler macht, lernt nichts. Und wer denselben Fehler zweimal macht, hat nichts gelernt.

 

Wer hat an Euch geglaubt?

Eigentlich niemand so recht, was wir auch keinem so richtig verübeln können. So wie wir vor drei Jahren gestartet sind, hätten wir rückblickend auch keine Sekunde an uns geglaubt: Keine Erfahrung, wenig Geld, jede Menge sehr große Flausen im Kopf und überhaupt keine Ahnung, in welche Richtung es genau gehen soll. Aber zum Glück hatten wir Menschen um uns herum, die uns trotzdem geholfen und unterstützt haben, obwohl sie nicht von unserem Erfolg überzeugt waren. Diesen Menschen sind wir heute unglaublich dankbar, denn ohne sie hätten wir das alles nicht geschafft.

 

Wer hat am meisten an Eurer Idee gezweifelt? Warum?

Wir selbst. Wobei wir nie an der Idee selbst gezweifelt haben, sondern lediglich daran, ob wir Menschen finden, die unsere Idee genauso großartig finden wie wir selbst. Und natürlich hat man irgendwann riesige Angst, dass die ganze Arbeit, das Geld und das Herzblut alles vergebens war. Wir haben eigentlich erst drei Tage vor Start der Internet-Kampagne das erste Mal an uns selbst geglaubt, nämlich als wir gemerkt haben, dass es gut geworden ist und wir es nicht hätten besser machen können. Hätte es dann nicht geklappt, dann nicht, weil wir es nicht wirklich versucht hätten. Und ab diesem Moment waren wir zuversichtlich - und sind es bis heute.

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