Wie war es damals für Sie, als Sie nach Südafrika geschickt wurden, waren Sie hinterher sauer auf Ihre Eltern?
Anfangs wurde ja gesagt, es wäre Urlaub. Von daher habe ich zu dem Zeitpunkt, als ich hingeflogen bin, gedacht: Toll, das ist ein schöner Urlaub in Afrika! Als wir dann auf der Straußenfarm ankamen, haben wir erfahren, was wirklich passiert. Da war ich im ersten Moment schon ziemlich sauer. Als ich aber dann wieder nach Hause kam, da war ich schon sehr froh, dass ich meine Familie wiedersehe. Und ich war froh, dass ich das habe, was ich halt habe. Man schätzt einfach alles. Also sauer kann ich auf meine Familie da nicht sein.
Was haben Ihre Eltern Ihnen denn erzählt, dass Sie denken, Sie fahren in den Urlaub. Vorher gab es immer nur Krach und Ärger und dann werden Sie mit einem Urlaub belohnt. Kam Ihnen das nicht spanisch vor?
Ich war vorher schon bei mehreren Fernsehagenturen angemeldet als Komparse. Und irgendwann rief mich dann eine Produktionsfirma an und hat gefragt, ob ich Lust hätte, alleine Urlaub zu machen, ohne Eltern mal ein bisschen abschalten. Da habe ich gedacht: Warum nicht? Und dann habe ich mit meinen Eltern gesprochen, und dann hat die Produktionsfirma auch mit meinen Eltern gesprochen und meine Eltern waren auch sofort dafür. Das hatte mich zwar auch ein bisschen gewundert, aber ich habe mir gedacht: Na gut, vielleicht gönnen sie es mir ja wirklich mal. Und dann hat alles seinen Weg genommen.
Sie machen gerade eine Ausbildung zum Friseur, richtig?
Ja, im Juni habe ich die letzte Prüfung und dann bin ich Friseur. Ich überlege, ob ich irgendwann meinen Meister mache. Aber ich möchte erst einmal meinen Makeup-Artist machen. Hier im Salon werde ich übernommen und kann da noch ein bisschen Erfahrung sammeln. Irgendwann würde ich vielleicht auch gerne in der Medienbranche arbeiten, hinter den Kulissen irgendwo.
Wo ist denn der Salon, in dem Sie jetzt arbeiten?
Der ist in Wegberg. Ich wohne noch zu Hause, habe aber meine eigene Etage. Solange ich noch in der Ausbildung bin, ist es aus finanziellen Gründen so. Irgendwann nach der Ausbildung, wenn ich dann eine feste Stelle habe, werde ich dann mit meinem Freund Pascal zusammen ziehen. Zuerst noch in Wegberg, weil ich ja hier im Salon noch weiter arbeiten möchte. Die erste Wohnung wird also hier irgendwo im Umkreis sein. Aber irgendwann würde ich schon gerne in einer größeren Stadt leben. Hamburg, Köln...das könnte ich mir schon vorstellen.
Wenn Sie noch zu Hause wohnen, dann ist das Verhältnis zu den Eltern wahrscheinlich weiterhin recht gut?
Ja, genau. Da ist alles super. Mein Freund ist zu Hause auch ganz gut aufgenommen worden. Man kann eigentlich fast sagen, dass es eine kleine heile Welt ist im Moment. Also, ein paar Reibereien hat man natürlich schon, das gehört ja in jeder Familie dazu. Aber die sind nicht mehr so stark, wie sie mal waren. Und ich habe dafür auch ehrlich gesagt gar keine Zeit mehr: Ich gehe arbeiten und komme nach Hause. Also, zum Streiten habe ich gar keine Zeit.
Sie haben den Aufenthalt in Südafrika als "Wendepunkt in Ihrem Leben" bezeichnet. Inwiefern ist das heute noch so?
Ja, doch. Der Wendepunkt war wirklich, als ich bei der armen Familie war. Das hat mir schon die Augen geöffnet, als ich mir gedacht habe: Du musst echt was ändern. Vorher, bei der Gastfamilie, da hatte ich zwar auch so ein bisschen das Gefühl: Okay, du musst zu Hause was ändern. Aber bei dieser armen Familie, da habe ich mir gedacht: Oh scheiße! Das war schon komisch, dort zu sein. Man kennt das ja sonst nur aus dem Fernsehen und das ist dann so weit weg. Da sieht man dann noch eine Angelina Jolie daneben sitzen und denkt sich: Na gut, wer weiß, was da wirklich echt ist. Aber daran konnte ja nichts gestellt sein. Das war Realität. Und das bewegt mich immer noch, wenn ich dran denke.
Was konkret war denn dort so schockierend?
Diese Vorstellung alleine, dass Menschen in so einer Lehmhütte wohnen. Mit mehreren Menschen in einem kleinen Zimmer, das noch nicht einmal so groß ist wie unser Wohnzimmer zu Hause. Da haben wir wirklich einen Palast dagegen! Dann dieses Unhygienische, das war einfach schrecklich zu sehen. Ich habe mir so Kleinigkeiten gemerkt. Wir haben denen Süßigkeiten geschenkt. Und das waren noch nicht einmal Markenprodukte. Aber die haben sich so mega darüber gefreut! Das hätte ich, bevor ich da gewesen bin, zu Hause gedacht: Was soll ich da damit? Das hat einem schon die Augen geöffnet vor Ort, sage ich mal. Das ist heute immer noch so. Da schätze ich Dinge, die vorher selbstverständlich für mich waren: warmes Wasser, Strom. Ich achte darauf, wie ich mein Geld abgebe und ich achte darauf, dass ich zum Beispiel nicht mehr eine halbe Stunde unter der Dusche stehe oder 15 Euro für ein Haarspray ausgebe.
Wenn Sie zurückblicken auf den früheren Michael, gibt es einen Wesenszug an Ihnen, über den Sie sagen, da kriege ich heute noch Gänsehaut?
Ja, dieses total Egoistische finde ich halt furchtbar. Wenn ich mir heute diese DVD anschaue, wenn Bekannte oder Verwandte kommen, dann schäme ich mich schon dafür, wie ich mich manchmal geäußert habe. Und denke mir dann: meine Güte! Aber damals war ich auch noch ein bisschen jünger und ein bisschen unerfahren. Das ist halt schon peinlich manchmal.
Gibt es denn heute noch einen Wesenszug oder eine Verhaltensweise, die Sie gerne an sich ändern würden?
Nein, im Moment nicht. Ich habe eine Beziehung mit meinem Freund, die jetzt schon zweieinhalb Jahre gut läuft. Bei meiner Familie ist alles in Ordnung, ich mache eine Ausbildung und habe bald einen Job. Ich schmeiße mein Geld nicht aus dem Fenster, weil ich ja selber sehe, wie schwer es ist, Geld zu verdienen und da muss man schon auf jeden Cent achten. Was ich noch lernen muss, ist selbstbewusster zu werden. Ich wirke immer sehr selbstbewusst, aber so im Inneren habe ich damit doch manchmal noch zu kämpfen.
Können Sie sich selbst vorstellen, irgendwann Kinder zu haben und wenn ja, welche Werte würden Sie ihnen denn vermitteln wollen?
Ich kann mir das schon irgendwann mal vorstellen, aber im Moment passt es noch gar nicht. Aber wenn ich ein Kind hätte, würde ich ihm beibringen, nicht oberflächlich zu sein, Menschen auch mit anderen Augen zu sehen. Und, dass es froh sein kann über das, was es hat. Denn es ist nichts selbstverständlich.






























