Die Wildnis und ich

Indonesien - Sumatra

kabel eins: Sumatra klingt nach einer Menge Insekten. Gab es dort schlimme Insekten oder giftige Tiere?

Richard Gress: Im Regenwald gibt es extrem viele Blutegel, gerade während der Regenzeit. Die kleinen Blutsauger sind allerdings eher ein lästiges Anhängsel als eine wirkliche Gefahr. Ich wurde während der Reise von einem Insekt gestochen und mein Ohr schwoll enorm an, aber auch dies war kein großes Problem. Man muss lernen damit klar zu kommen, in Brasilien hatte ich eine dicke Lippe und auf Papua Neuguinea ein riesiges Auge. Das Wichtigste ist, dass die Beine und Füsse okay sind. Ob man während der Dreharbeiten besonders gut aussieht spielt keine Rolle. Manche giftigen Tiere sind nicht einmal besonders angriffslustig. Mit Schlangen habe ich zum Beispiel immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich sehen die Reptilien den Menschen nicht als Beute, sie beißen eher aus Furcht, bleiben aber auch sehr oft passiv oder flüchten. Ich habe auf Sumatra einen O-Ton mit einer Blauen Korallenschlange aufgenommen, eine der giftigsten Arten der Welt. Es war ein wildes Tier, ich hielt die Schlange in einer Hand und filmte mit der anderen. Meine kleine Freundin war fast handzahm und versuchte nicht einmal mich zu beißen.

kabel eins: Du hast die Mentawai besucht. Hat das Volk viel Kontakt mit der Außenwelt?

Richard Gress: Viele Naturvölker haben ein riesiges Stammesgebiet, so auch die Mentawai. Siedlungen die in leicht zugänglichen Gebieten liegen, haben deshalb sehr viel mehr Kontakt zur Zivilisation als die Menschen in unzugänglichen Regionen. Auf Siberut (die größte Insel der Mentawai-Inselgruppe) existieren noch einige sehr traditionelle Stammesgemeinschaften, dort waren wir zu Gast. Komplett isoliert leben jedoch auch diese Menschen nicht mehr.

kabel eins: Hast Du gesehen, wie die Mentawai ihre Zähne anspitzen oder sich tätowieren? Käme so etwas für Dich in Frage?

Richard Gress: Ich habe einige ältere Frauen des Stammes gesehen die angespitzte Zähne hatten, doch dies scheint ein aussterbender Brauch zu sein. Jüngere Frauen lassen dieses Ritual, in der Regel, nicht mehr an sich durchführen. Für mich persönlich käme dieses Brauchtum nicht infrage, die Zähne werden sehr schnell schlecht und fallen aus. Tätowierungen sieht man bei den Mentawai noch zuhauf, auf traditionelle Art und Weise verschönern sich jedoch vor allem Schamanen. Jüngere Stammesangehörige tragen meist moderne Tätowierungen die sie sich in der Stadt stechen lassen. Auch hier ist eine Abkehr von den Traditionen unverkennbar. Ich bin immer gerne bereit an Ritualen teilzunehmen und habe bereits ziemlich viel ausprobiert: Narbentätowierungen gerne. Für ein echtes traditionelles Schamanen-Tattoo müsste ich allerdings zwei Jahre in die Lehre bei einem Dorfältesten gehen und selbst Medizinmann werden, das würde mir etwas zu lange dauern.

kabel eins: Wie funktionierte die Verständigung vor Ort?

Richard Gress: Durch meine langjährige Erfahrung bei Naturvölkern habe ich gelernt Handzeichen, Gesten und Mimik ziemlich genau zu deuten. Viele Einheimische sind dazu ebenso in der Lage, gerade wenn es im Umfeld sehr viele Völker mit unterschiedlichen Sprachen gibt. Ich bin in der Lage den kompletten Abend Geschichten zu erzählen ohne ein einziges Mal den Mund aufzumachen. Allerdings glaube ich nicht, dass meine "Zuhörer" die Anekdoten so verstehen wie ich es meine. Wichtig ist die Unterhaltung trotzdem. Auf Mentawai hatte ich Glück, ich traf während meiner Reise zwei Einheimische die etwas Englisch sprachen und so zu sehr guten Freunden wurden.

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