Die Wildnis und ich

Brasilien: Amazonas

Huka Huka, Ringkampf der Kamayura

kabel eins: Du hast das Volk der Xingu besucht? Konntest Du dort die Verwendung des Blasrohrs beobachten oder sogar selbst ausprobieren?

Richard Gress: Der Xingu ist ein Nebenfluss des Amazonas, in seinem Einzugsgebiet leben verschiedene Indio-Stämme. Am Oberlauf des Flusses haben wir die Völker der Kamayura und Waura kennengelernt. Die Einheimischen jagen mit Pfeil und Bogen, Blasrohre sind in diesem Gebiet nicht im Gebrauch. Während unseres Aufenthaltes durften wir an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen. Wir waren beim Fischfang mit Pfeil und Bogen, Speeren und Netzen dabei, wurden zur Jagd eingeladen, ich trat beim traditionellen Ringkampf an, wir machten bei Stammesspielen mit, quälten Musikinstrumente und durften natürlich auch mit dem Bogen schießen.

kabel eins: Bekommt man in der Wildnis des Amazonas etwas von Veranstaltungen wie der Fußball-WM in Brasilien mit?

Richard Gress: Als wir zu den Indiostämmen gelangten war die Fußball-WM bereits seit einigen Monaten beendet. Natürlich hatte sich bis dahin sogar in die entlegensten Winkel des Landes herumgesprochen wer den Pokal holte. Unsere Gastgeber wussten sogar, dass Brasilien von Deutschland 1 zu 7 geschlagen wurde, böse war uns deshalb zum Glück niemand. Ich sagte trotzdem vorsichtshalber dazu, dass der Kameramann und ich nicht mitgespielt hatten, sonst wäre das Spiel bestimmt anders aus gegangen.

kabel eins: Sind die Xingu von der Abholzung des Regenwaldes oder anderen Ausbeutungen bedroht?

Richard Gress: Ja, es sollen Staudämme gebaut werden und Lizenzen zum Holzfällen werden auch immer wieder beantragt. Das Gute ist, die Indios sind völlig autonom und für ihr Land selbst verantwortlich. Die meisten Völker am Oberlauf des Xingu sind gut organisiert und lassen den Raubbau nicht zu. Sie entscheiden selbst wer in ihr Land darf und wer nicht. Wir mussten ein großes Stück des Weges zu den Indianervölkern per Flugzeug zurücklegen und was wir sahen verschlug uns den Atem, die Indio-gebiete liegen wie grüne Inseln inmitten einer riesigen Kulturlandschaft. Meine größte Hochachtung vor der Weitsicht der indigenen Bevölkerung.

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