Die Wildnis und ich

Botswana: Kalahari Wüste und Okavango Delta

kabel eins: Was war das schlimmste, was Du in der Kalahari essen musstest?

Richard Gress: Das Ekeligste war ohne Zweifel ein Mistkäfer und ich war noch nicht einmal gezwungen den zu essen. Es gab unheimlich viele davon und da ich noch nie gehört hatte, dass dieses Tier von Einheimischen verspeist wird, probierte ich einen. Es wäre eine unerschöpfliche Nahrungsquelle, leider schmeckte der Käfer nur nach Scheiße. Ich würde lediglich im absoluten Notfall nochmal welche essen. Der Mistkäfer war nicht nur das ekeligste Nahrungsmittel das ich in der Kalahari aß, sondern des ekeligste was ich jemals gegessen habe. Danach spülte ich meinen Mund mit Wasser aus und es kam kaffeebraune Brühe.

kabel eins: Hast Du Buschmänner getroffen, die noch traditionell leben?

Richard Gress: In extrem abgelegenen Gebeten gibt es noch Jäger und Sammler die einigermaßen traditionell leben. Allerdings nur fernab jeglicher Straßen und Pisten. Für die San wird es immer schwerer ein traditionelles Leben aufrecht zu erhalten. Sie wurden aus ihren ursprünglichen Jagdgebieten verdrängt und das Töten von Großwild ist in weiten Teilen des Landes verboten. Die besten Spurenleser der Welt müssen sich heutzutage mit Nagetieren und Reptilien zufrieden geben. Nichtsdestotrotz sind ihre Fertigkeiten bei der Jagd unglaublich beeindruckend.

kabel eins: Kennst Du den Film „Die Götter müssen verrückt sein“? Kann man sich die Einwohner der Kalahari so vorstellen, wie sie im Film gezeigt werden?

Richard Gress: Klar kenne ich den, ist sehr witzig, allerdings darf man solche Spielfilme nicht für bare Münze nehmen. "Die Götter müssen verrückt sein" hat genauso viel mit der Kultur der San zu tun wie "Die Ritter der Kokosnuss" mit dem wahren Leben im Mittelalter. Es ist eine Komödie und sollte auch entsprechend betrachtet werden. 

kabel eins: Muss man im Sumpfgebiet des Okavango Angst vor Blutegeln oder ähnlichem Getier haben?

Richard Gress: Blutegel sind mit Sicherheit eines der kleineren Probleme im Okavango-Delta. Diese Tierchen sind zwar lästig, aber nicht gefährlich. Angst ist niemals ein guter Wegbegleiter. Vielmehr sollte man vor Tieren Respekt haben. Im Okavango-Gebiet gibt es Großwild wie Elefanten, Flusspferde, Krokodile, Büffel, Löwen, Leoparden u. s. w.. Gerade wenn man sich zu Fuß fortbewegt sollte man immer auf der Hut sein, ich kann ein Lied davon singen.

kabel eins: Gibt es dort Ureinwohner, die im Sumpf überleben können?

Richard Gress: Im Einzugsbereich des Okavango leben viele Menschen, allerdings keine Ureinwohner im eigentlichen Sinne. Die Einheimischen können sich dort sehr gut im Sumpf- und Schwemmland ernähren. Sie nutzen verschiedenste Pflanzen und bestreiten ihren Lebensunterhalt durch Fischfang. In einem kleinen Paradies wie der Okavango-Region ist es leicht sich in der Wildnis durch zu schlagen, die trockeneren Gebiete der Kalahari bergen sehr viel größere Herausforderungen.

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