Die Wildnis und ich

Die Gemeinschaft der Suri

Richard Gress5
Richard Gress und Suri-Kinder © kabel eins

Die Surma leben im Süden Äthiopiens an den Ufern des Flusses Omo. Berühmt sind sie für ein spektakuläres Ritual: den Stockkampf. Mit langen Stöcken kämpfen junge Männer gegeneinander und versuchen den Gegner in die Knie zu zwingen.

Wettkampf als Konfliktbewältigung

Diese Gefechte sind blutig und gefährlich, aber sie folgen einem strikten Regelwerk. Wenn die Situation zu eskalieren droht, führen verabredete Zeichen und das Eingreifen des Schiedsrichters zum Abbruch. Ernste Verletzungen und Todesfälle bleiben so die Ausnahme. Dennoch fließt schnell Blut, Brüche und Blessuren sind keine Seltenheit. 

Das Ritual des Stockkampfs ist Wettsport und Heiratsmarkt zugleich. Oft treten beim Stockkampf ganze Dörfer gegeneinander an. Die jungen Männer und Frauen haben so die Gelegenheit, sich kennenzulernen. Gleichzeitig bietet der Wettkampf die Möglichkeit, Konflikte zwischen den verschiedenen Stämmen ohne größeres Blutvergießen auszufechten und beizulegen.

Die Einbindung der Duelle in ein Ritual kanalisiert die Aggressionen. Doch seit einiger Zeit haben Schusswaffen Einzug in das Leben der Surma gehalten, die am Rande des Stockkampfes zum Einsatz kommen. Sie stellen diese Art der Konfliktbewältigung in Frage und entwickeln sich zu einer ernsten Bedrohung des Stockkampfrituals. 

Fremde Sitten und Gewohnheiten

Einige Schönheitsideale der Surma haben mit unserer Vorstellung von Ästhetik nur wenig zu tun. Die Frauen zum Beispiel tragen Tonteller in ihrer ausgeweiteten und durchlöcherten Unterlippe. Während diese Lippenteller auf uns eher entstellend als verschönernd wirken, empfinden die Surma-Frauen das anders. Ursprünglich war der Teller ein Signal an die Männer, dass eine Frau bereits vergeben ist. Heute ist er ein besonderes Schönheitsmerkmal für verheiratete Frauen. 

Um im kargen Süden Äthiopiens überleben zu können, haben die Surma besondere Strategien entwickelt. So werden zum Beispiel regelmäßig Rinder zur Ader gelassen. Dieser uns grausam erscheinende Brauch schadet den Tieren kaum. Nachdem genug Blut geflossen ist, erholen sich die Rinder wieder vollständig. Der Mensch aber zieht doppelten Profit aus dieser Aktion. Er erhält das Blut als wichtige Nahrungsquelle - und kann gleichzeitig das Tier für die Nutzung erhalten. 

Vielfalt der Kulturen

Neben den Surma leben im Süden noch viele weitere Stämme, von denen jeder seine Eigenarten pflegt. Im Hochland Äthiopiens dagegen haben sich ganz andere Gewohnheiten entwickelt. Die Anforderungen an das menschliche Leben unterscheiden sich deutlich von denen im Süden: Der fruchtbare Boden begünstigt die Landwirtschaft und damit die Sesshaftigkeit. Die Kleinbauern bestellen ihre Felder und ringen dem Boden ihre Nahrung ab.

In den Wüsten des trockenen Afardreiecks hingegen mussten sich die Menschen an raue klimatische Bedingungen anpassen. Dort gibt es Nomadenstämme, die von Viehzucht oder Salzabbau leben. So stellen die unterschiedlichen Lebensbedingungen in Äthiopien seine Bewohner vor mannigfaltige Herausforderungen. 

Zur Information Surma = Suri

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