So sieht's aus.

Deutsche Bahn rüstet Mitarbeiter mit Bodycams aus

Die Deutsche Bahn stattet im Rahmen eines neuen Pilotprojekts ihre Mitarbeiter mit Bodycams aus. Sie versucht auf diesem Wege die Sicherheit an Bahnhöfen zu erhöhen und die Bediensteten besser vor Gewalt und Übergriffen zu schützen, da diese in jüngster Vergangenheit immer mehr zugenommen haben. Das Projekt läuft vorerst bis Ende des Jahres und wirft schon jetzt einige Fragen auf.

Kriminalität an Bahnhöfen
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Bedienstete immer häufiger Ziel von Gewalt

Neu ist das Konzept der sogenannten Bodycams ganz und gar nicht. Es ist einer der Trends, der seinen Ursprung in den USA findet. Dort wurden die Bodycams, also kleine Überwachungskameras mit Aufzeichnung, die die jeweilige Person direkt am Körper trägt, ebenfalls als Reaktion auf die steigende Anzahl an Übergriffen gegen Bedienstete eingeführt. Den positiven Nutzen, der sich hierbei in Übersee eingestellt hat, versucht das deutsche Konzept nun für sich zu adaptieren. Gründe für die Gewalt gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn und der Bundespolizei gibt es an Bahnhöfen viele. Der Mildeste ist dabei die simple Verspätung eines Zuges und die daraus resultierende Eskalation eines Fahrgastes. Selbstverständlich lädt die unübersichtliche Lage mit dem großen Menschenaufkommen an Bahnhöfen aber auch dazu ein, klassische Straftaten wie die folgenden zu verüben:

Werden die Täter auf frischer Tat ertappt, führt für manche von ihnen offensichtlich kein Weg an Gewalt gegen die einschreitenden Mitarbeiter vorbei. Im Testlauf sind die Kameras derzeit folgerichtig in Berlin, wobei drei Mitarbeiter der Bahn und drei Mitarbeiter der Bundespolizei den Erfolg der Maßnahme langfristig testen sollen. Aufgrund statistisch untersuchter Resultate sind die Zielgebiete der Alexanderplatz , der Zoologische Garten und der Ostbahnhof.

Schutz der Mitarbeiter steht an erster Stelle

Die Kameras selbst sind auf dem neuesten Stand der Technik und verfügen nicht nur über eine kleine Videokamera, die das Geschehen vor dem jeweiligen Mitarbeiter als Videodatei aufzeichnet, sondern auch über ein kleines Display. Dieses zeigt die Live-Situation vor dem Beamten und soll gemäß Konzept auch für einen potenziellen Angreifer sichtbar sein. Dieser soll sich vor einer etwaigen Tat selbst auf dem Display sehen und somit, anders als in den USA, von der Anwendung von Gewalt abgehalten werden. Verstärkt werden soll der präventive Aspekt durch die Tatsache, dass alle Mitarbeiter, die mit dieser Kamera ausgestattet sind, auf ihrer Uniform ebenfalls den Schriftzug „Videoüberwachung“ tragen. Der Clou an der Sache ist nun, dass die Kameras und die Displays zwar permanent laufen, diese aber nicht permanent neues Filmmaterial aufzeichnen. Für den Beginn der Aufzeichnung muss die bedienende Person auf einen kleinen Knopf drücken. Die Mitarbeiter müssen dies nicht zwangsläufig vor Eintritt in die Gefahrensituation tun, denn die Kameras zeichnen ab Betätigung des Knopfes automatisch auch die 10 vorangegangenen Sekunden vor dem Start der eigentlichen Aufnahme mit auf. Die Bundespolizei selbst spricht von guten Erfahrungen mit den Kameras. So sagte der Präsident der Bundespolizeidirektion in Berlin, Thomas Striethörster: „Der abschreckende Effekt wird erreicht.“

Nachteile von Bodycams werden kritisch diskutiert

Nachteile von Bodycams
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Trotz der bereits erwähnten Vorteile und der Tatsache, dass auf Video aufgezeichnete Straftaten im Nachhinein leichter aufgeklärt werden können, gibt es auch diverse Nachteile von Bodycams. Insbesondere fühlen sich manche Personen von derartigen Kameras noch zusätzlich belästigt und in die Enge gedrängt.

Weiterhin dürfte die Videoüberwachung zumindest bei den Personen Argwohn auslösen, die nicht so recht mit den Eigenheiten des eigentlichen Systems vertraut sind. Aufgrund des auffälligen Schriftzuges „Videoüberwachung“ gehen nämlich etliche Menschen davon aus, dass permanent gefilmt wird. Kritisch zu sehen ist im Zusammenhang mit der direkten Aufnahme der Bodycams auch, dass der jeweilige Mitarbeiter diese selbst initiieren muss . Dies setzt evidenterweise ein zutreffendes vorheriges Beurteilungsvermögen des Beamten voraus, was situationsspezifisch nicht immer gegeben ist. Stellt sich eine als im Vorhinein unbedenklich beurteilte Situation im Nachhinein als äußerst gefährlich heraus, so werden sicherlich einige Mitarbeiter mit Bodycams keine Möglichkeit mehr dazu haben, die Kamera vor dem tatsächlichen Einschreiten rechtzeitig zu aktivieren. Nichtsdestotrotz ist die permanente Aufzeichnung aus naheliegenden Gründen ebenfalls keine praxistaugliche Maßnahme.

Videoüberwachung nimmt auch in Bahnhöfen zu

Korrespondierend mit der Einführung der Bodycams nimmt auch die klassische Videoüberwachung in den deutschen Bahnhöfen immer mehr zu. Gleichzeitig wurden durch die Polizei und Staatsanwaltschaft auch immer mehr Anfragen nach Videobildern zu Tatvorgängen gestellt. In diesem Zusammenhang gilt es, das Bedürfnis nach Sicherheit und Aufklärung von Straftaten einerseits und umfassender Freiheit andererseits miteinander in Einklang zu bringen.

Die aktuelle Lage zeigt, dass mit 71 der 166 S-Bahnhöfe in Berlin und Brandenburg schon fast die Hälfte im Bereich der Bahnsteige mit Kameras ausgerüstet ist. Bis zum Ende des Jahres 2016 sollen noch 9 weitere Bahnhöfe folgen. Erfasst werden von diesen Kameras jedoch lediglich die Einstiegsbereiche am Zug und nicht die kriminaltechnisch relevanten Treppenaufgänge und Bahnhofshallen. Diesen Aspekt würdigend sollen zwölf weitere Bahnhöfe auch Überwachungskameras an derartigen, oftmals unübersichtlichen Stellen erhalten. Die Mehrheit der Bürger befürwortet angesichts der kriminellen Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit derartige Maßnahmen. So kam bei einer im April 2014 durchgeführten Kundenbefragung der BVG heraus, dass 82 Prozent der befragten Personen die flächendeckende Videoüberwachung an Bahnhöfen präferieren. Dass die Entwicklung eindeutig progressiv verläuft, zeigt der Vergleich mit einer sechs Jahre zuvor durchgeführten Studie, wo lediglich drei Viertel aller Befragten für die Videoüberwachung stimmten.

Fazit

Alles in allem ist das Pilotprojekt mit den Bodycams eine begrüßenswerte Angelegenheit. Der präventive Aspekt bei dieser Maßnahme ist wegen des permanenten Bildes auf der Kamera je nach Qualität des angefertigten Videomaterials mitunter stärker ausgeprägt, wenngleich es, wie immer bei Überwachungstechnik, entsprechende Nachteile gibt. Gleiches trifft grundsätzlich auch auf die weiter steigende Anzahl der stationären Videoüberwachungssysteme an den Bahnhöfen zu. Hier ist es jedoch wichtig, dass die Kameras nicht allzu sehr veraltet sind und auch bei schlechteren Aufnahmebedingungen noch brauchbares Material zur Verfügung stellen.

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