So sieht's aus.

Das Reinheitsgebot

Alte Brautradition nach strengen Regeln

Das Reinheitsgebot, eines der bekanntesten deutschen Gesetze, schreibt den Brauereien vor, welche Zutaten sie für ihr Bier ausschließlich verwenden dürfen.

Gefüllter Bierkrug neben Zutaten zum Bierbrauen
© shaiith - Fotolia

Die Vorgänger des Reinheitsgebots

Die Qualität und die Reinheit von Bier war im Mittelalter ein wichtiges Thema. So sind Urkunden aus den 12. Jahrhundert erhalten, die denen mit Strafe drohen, die schlechtes Bier oder Bier im falschen Maß ausschenkten. Schon im 14. und 15. Jahrhundert gab es in vielen deutschen Städten unterschiedlichste Verordnungen. Sie schrieben den Brauern vor, welche Zutaten sie ihrem Bier hinzufügen durften.

Im Jahr 1487 wurde in München ein Reinheitsgebot erlassen, in dem die drei Bestandteile von Bier festgelegt wurden: Hopfen, Gerste und Wasser. Diese Regelung wurde auch in der Bayerischen Landesverordnung von 1516 übernommen, die als Vorgänger der heutigen Regelung gilt. Neben der Sicherung der Bierqualität wollte man dafür sorgen, dass dem Bier keine berauschenden Kräuter beigesetzt wurden. Außerdem sollte Getreide mit höherem Nährwert den Bäckern vorbehalten bleiben.

Ist das Reinheitsgebot Deutschlands ältestes Gesetz?

Das Reinheitsgebot wird oft für das älteste Lebensmittelgesetz der Welt oder auch für das älteste Gesetz Deutschlands gehalten. Keinen dieser Titel hat es jedoch verdient. Schon Gesetzestexte aus dem Altertum enthalten Passagen, die das Brauen vom Bier regelten. Das Bayerische Reinheitsgebot von 1516 galt nur wenige Jahrzehnte lang, denn schon Mitte des 16. Jahrhunderts erlaubte der bayerische Herzog jeder Brauerei die erneute Verwendung von Kräutern. Außerdem verbreitete sich in Bayern die Produktion von Weizenbier, obwohl das ursprüngliche Reinheitsgebot ausschließlich Gerste zum Brauen erlaubte.

Erst im 19. Jahrhundert wurde in Bayern die alte Regelung wieder aufgegriffen. Nach Gründung des deutschen Reiches 1971 galt das Reinheitsgebot auch in anderen deutschen Staaten.

Strengere Regelung für untergäriges Bier

Erst das Deutsche Biersteuergesetz von 1923 schuf eine allgemein gültige Regelung für ganz Deutschland. Für untergärige Biere wie Pils, Märzen oder Lager waren nur vier Zutaten zugelassen. Neben Wasser, Malz, und Hopfen nun auch Hefe. Für obergärige Biere , wie Kölsch, Alt oder Berliner Weiße, waren die Regelungen weniger strikt. So war zum Beispiel die Zugabe von Zucker erlaubt. In Bayern galt jedoch weiterhin ein absolutes Reinheitsgebot, das jegliche Zugabe von Zusatzstoffen verbat.

Durch die Öffnung des Biermarktes in der Europäischen Union musste die Bierverordnung angepasst werden. Das deutsche Reinheitsgebot gilt heute nur noch für untergäriges, in Deutschland gebrautes Bier. Viele internationale Brauereien folgen aber den alten Regeln der Braukunst und brauen ihr Bier in deutscher Tradition ausschließlich aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser.

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