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Mit überragender Spielbarkeit zurück zum Spitzenfussball
Es ist wie in der schottischen Fußball-Liga: Zwei Mannschaften spielen Jahr für Jahr die Meisterschaft unter sich aus und die anderenTeams dürfen sich um die weiteren Plätze rangeln. Im Falle des virtuellen Kicks heißen die beiden Favoriten seit Jahren Pro Evolution Soccer und Fifa – in den jeweils jährlichen Ablegern. EA´s Fifa-Franchise konnte sich zuletzt etwas abheben, während man im Konami-Lager auf der Stelle zu treten schien. Verbesserungen im Detail und grundlegende Änderungen, die im Austausch mit PES-Fans hervorgingen, sollen Pro Evolution Soccer aber dieses Jahr den entscheidenden Vorteil bringen.
Altbewährtes und sinnvolle Neuerungen
Erstmal wenig geändert hat sich im übersichtlichen Hauptmenu der Serie. Neben den altbekannten Features wie Freundschaftsspiel, Champions League, Copa Libertadores und Football Life (Meister-Liga und Be a Legend) ist die größte Überraschung der von vielen Fans schmerzlich vermisste Trainingsmodus. Hier dürfen nun endlich wieder dreistufige Challenges in den Bereichen Angriff, Verteidigung, Freistoß, Elfmeter und Dribbling bestanden werden. Neben einer Portion Spaß bringt das vor allem einen guten Einblick in die Steuerung und das veränderte Elfmeter-System. Dieses wurde zum Glück nicht weiter „verschlimmbessert“, sondern wieder einfach in Szene gesetzt: Kamera hinter dem Ball und einfache Bedienung – so entscheiden endlich wieder Torwart und Schütze das Duell und nicht die umständliche Steuerung.
Eine weitere sinnvolle Neuerung stellt der persönliche Avatar dar, den sich jeder Spieler erstellen kann. Grundlegende Tastenbelegungen und Einstellungen lassen sich nach eigenen Vorlieben festlegen und mit einem virtuellen Alter Ego versehen. So lassen sich auch Profile von Gastspielern abspeichern, damit sie beim nächsten Besuch nicht erst ihre Einstellungen zusammensuchen müssen.
Meisterliches "Herzstück"
Auch Fans der Meisterliga dürfen sich über Zugaben freuen: In etwas statischen aber auflockernden Zwischensequenzen stellt der Co-Trainer den kommenden Gegner an der Taktiktafel im Büro vor, Neuverplichtungen winken freudestrahlend im Rahmen einer Pressekonferenz in die Kamera und Spieler stehen mit persönlichen Anliegen direkt im Trainerbüro. Mittendrin: Euer selbst gestalteter Trainer-Avatar. Während erstgenannte Punkte nettes Beiwerk sind, wirken sich die Probleme der Kicker direkt auf euer Spiel aus. Setzt ihr Spieler nicht regelmäßig ein oder gewährt ihnen zu wenig Spielzeit, beschweren sie sich bei euch und erwarten eine Lösung. Die Antwort (es stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl) spiegeln sich anschließend direkt in der Laune und Verfassung der Kicker wider. Auch der Vorstand mischt sich neuerdings ein und gibt von Zeit zu Zeit Empfehlungen von sich, die sich auf eure Bewertung auswirken. Ob ihr die Vorschläge wie „Spieler X sollte im nächsten Spiel von Beginn an auflaufen“ oder „Keine gelbe Karte in der nächsten Begegnung“ annehmt, bleibt jedoch eure Entscheidung.
Im Aufstellungsmenu gilt es dann der Mannschaft die letzten taktischen Mittel mit auf den Weg zu geben. Das bewährte Drag&Drop-System wurde beibehalten und durch einen effektiven Taktikgenerator erweitert. Vier unterschiedliche Spielsysteme inklusive taktischer Vorgaben können separat festgelegt und im Spiel fließend gewechselt werden. Das bringt erfreulich viel Spieltiefe, denn die Auswirkungen auf das Geschehen sind deutlich spürbar.
"Was zählt ist auf dem Platz"
Im Stadion gibt die 2012er-Version dann richtig Gas. Die Atmosphäre ist Dank herumwuselnder Kameraleute und gestikulierender Trainer deutlich dichter als im Vorgänger, obwohl Fangesänge und Kommentatoren noch Luft nach oben haben. Die Spieler reagieren angenehm schnell und direkt auf eure Steuerung und eine Passunterstützung, welche die von der CPU gesteuerte Genauigkeit der Pässe regelt, kann je nach Können in fünf Stufen festgelegt werden. Doch auch ohne euer Zutun spielen die KI-Kicker groß auf: Durch das neue Active AI System erkennen eure Mitspieler freie Räume und wählen intelligente und nachvollziehbare Laufwege. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich eure Recken auf den Füßen standen oder Flanken in den verwaisten Strafraum segelten. Natürlich agiert auch der Gegner in Offensive und Defensive geschickter, weswegen sich spannende Matches mit einem Hauch von Rasenschach ergeben. Für die Überraschungsmomente ist die neue „Off the Ball Control“ zuständig. Hier lässt sich noch ein zweiter Spieler manuell steuern und zu einem Sprint in den freien Raum bewegen. Diese Neuerung zahlt sich vor allem bei den Standards aus, wenn sich Spieler bei Einwürfen, Ecken und Freistößen völlig frei navigieren lassen. Ein System, dass einiges an Übung erfordert, aber schließlich das Spielgeschehen um attraktive Varianten und packende Szenen erweitert.
Apropos packende Szenen: Den Kickern wurde eine Reihe neuer Animationen spendiert, die das Geschehen auf dem Platz sehr dynamisch erscheinen lassen. Es wird gerangelt und geschoben, lamentiert und gejubelt und gerade diese Emotionen verleihen den Zeitlupen und Nahaufnahmen das gewisse Extra. Zupfer und harmlosere Fouls werden von den umsichtigen Schiris nun deutlich milder bestraft und der Referee wendet auch in der Hitze des Gefechts passend die Vorteilsregel an. Problemfall Nummer 1 bleibt jedoch die Nummer 1: Die Torhüter sind das schwächste Glied in der Kette und können leider nicht immer überzeugen. Ein fataler Fehlgriff oder das unglückliche Abklatschen eines harten Schusses in die Mitte sei noch jedem gegönnt, aber in der Summe passt die durchschnittliche Leistung der Keeper einfach nicht in das rundum verbesserte Spielvergnügen. Umso schöner, dass PES-Europachef Jon Murphy im ersten DLC gleich eine Verbesserung der Torhüter angekündigt hat.
Fazit:
Konami hat an den richtigen Stollen geschraubt: Die Einführung der neuen Active KI und der „Off the Ball Control“ bringen den virtuellen Kick ein großes Stück nach vorne und eröffnen dem Spieler größtmögliche Handlungsfreiheit und absolute Kontrolle. Die fein abgestimmten Schwierigkeitsstufen und die regelbare Passhilfe sorgen dafür, dass Gelegenheitsspieler einen leichten Einstieg finden und Profis sich richtig gefordert fühlen. Grafisch zeigt sich PES auf gewohnt hohem Niveau und fängt Spielergesichter orginalgetrau ein. Einzig das Lizenzpaket bleibt ein Manko, obwohl auch hier Dank lizenzierter Champions League und Europa League eine ansehnliche Palette an Originalteams zur Verfügung stehen. So bleibt es auch dieses Jahr ein packender Zweikampf - nur heuer mindestens auf Augenhöhe.