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LA Noire

 

 

Game Infos

 

  • Titel:     L.A. Noire
  • Genre:     Action-Adventure
  • Plattform:     PS3, XBox 360
  • Release:     erhältlich
  • Publisher:     Rockstar
  • USK:     Ab 16 Jahren
     

L.A. Noire

Teuflische Machenschaften in der  Stadt der Engel

In der Welt der Videospiele steht der Name "Rockstar" für offene Spielwelten und viel Action. Er steht für Kontroverse, aber auch (oder gerade deswegen?) für Millionen von verkauften Spielen. Rockstar, das steht vor allem für die Grand Theft Auto-Reihe. Auch andere große Hits des erfolgreichen Publishers greifen das Spielprinzip auf und verfrachten es in andere Settings wie ein Internat (Bully) oder den Wilden Westen (Red Dead Redemption).

Ist also auch der neue Rockstar-Titel L.A. Noire ein weiterer GTA-Klon in neuem Gewandt? Mitnichten! Auch wenn das Grundgerüst ein ähnliches ist, bietet L.A. Noire mehr Adventure als Action, ist es mehr interaktiver Spielfilm als Sandbox-Game mit offener Spielwelt – L.A. Noire will nicht weniger als die Revolutionierung eines Genres.

Ein Cop für alle Fälle

Wegen einer Verletzung frühzeitig von der Front des zweiten Weltkrieges nach Hause geschickt, will Cole Phelbs den Dienst an der Waffe nicht aufgeben. Im Los Angeles der 40er Jahre verdient er sich fortan als Streifenpolizist seine Brötchen. Nachdem Sie in einigen einleitenden Einsätzen Steuerung und Spielverlauf erlernen, lösen Sie in der Uniform von Phelbs bereits Ihren ersten Mordfall. Die erlangte Reputation sorgt für eine Beförderung und fortan durchlaufen Sie verschiedene Abteilungen des LAPD: Sie untersuchen Verkehrsdelikte, ermitteln bei Brandstiftung und Sitte, und widmen sich beim Morddezernat besonders garstigen Gewaltverbrechen.

Zu Beginn einer jeden Mission erhalten Sie vom Polizeichef ein kurzes Briefing. Dann geht es auch schon ab zum Tatort, wo Sie Beweise untersuchen, Zeugenaussagen entgegen nehmen und Tatverdächtige verhören. Für Letzteres drücken Sie nicht nur Knöpfe auf dem Controller, sondern müssen auch eine gehörige Portion Menschenkenntnis mitbringen. Um Lügen und Falschaussagen zu durchschauen, lesen Sie Gestik und Mimik Ihres Gegenübers. Genau dieses Element macht sich L.A. Noire zu Eigen, um die Grenzen zwischen Spiel und Film zu verwischen.

Technisches Meisterwerk

Die technische Umsetzung von L.A. Noire sorgte schon im Vorfeld für viel Furore: Bei der neuartigen MotionScan-Technik fangen 32 High-Definition-Kameras jede noch so kleine Gesichtsregung von Schauspielern ein. Im Spiel erkennt man so selbst feinstes Mimikspiel im Antlitz der digitalisierten Alter Egos. Die Verhörten meiden Augenkontakt oder lassen die Mundwinkel zucken, sie pressen die Lippen zusammen oder heben die Augenbrauen. Damit setzt L.A. Noire die technische Messlatte für Games ein ganzes Stück nach oben – und das Genreübergreifend!

Überhaupt ist die Atmosphäre extrem dicht. Das Los Angeles der 1940er wurde detailgetreu nachgebildet. Neben der überragenden Optik stimmt obendrein die Akustik. Die professionellen englischen Sprecher sind besser als so manche Filmsynchro und die Musik ist weit mehr als nur Stimmungsmacher. Haben Sie zum Beispiel einen Tatort komplett nach Beweismitteln abgesucht, blendet die dezente Hintergrundmusik langsam aus. Durch solch geschickt eingesetzte Spielhilfen benötigt L.A. Noire kaum Anzeigen, die in diesem düsteren, interaktiven Film Noire auch recht deplatziert wirken würden.

Interaktiver Spielfilm

Zwar bringen viele optionale Zwischenmissionen, in denen Sie bei Straßenverbrechen per Polizeifunk kontaktiert werden, etwas Action in den Spielfluss, der eigentliche Star des Mammutprojektes ist aber ganz klar die Präsentation. L. A. Noire ist eher ein interaktiver Spielfilm als ein typisches Open World-Game. Kein Wunder, bei über 2.000 Seiten Script! Zum Vergleich: ein durchschnittliches Filmdrehbuch umfasst gerade mal 200 Seiten!

Dies ist denn auch der einzige Punkt, den man L.A. Noire vorwerfen könnte. Zum Tatort fahren, nach Beweisen Suchen, Verhöre durchführen, bei durchschauten Lügen gesammelte Beweise heranziehen – das Standard-Prozedere der Polizeiarbeit wird von Fall zu Fall einfach nur in eine neue Kurzgeschichte gesteckt. Dennoch ist L. A. Noire alles andere als langatmig. Man sollte es trotzdem am besten in kleinen Dosen von ein oder zwei Fällen am Abend genießen, anstatt es wie viele andere Spiele schnellstmöglich durchzuspielen.

Fazit

L. A. Noire sieht nur auf dem Papier aus wie ein GTA im Los Angeles der 1940er. In Zusammenarbeit mit dem australischen Entwicklerstudio Team Bondi verwirklicht Rockstar dieses Mal eine technisch wie atmosphärisch absolut beeindruckende Vision, die die Grenzen zwischen Spiel und Film verwischen lässt. Darauf muss man sich erst einmal einlassen. Wer das tut, wird mit einem der einnehmendsten Erlebnisse interaktiver Unterhaltung belohnt, die man je auf einer Spielekonsole gesehen hat.

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