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Viele klassische Mercedes Modelle haben liebevolle Spitznamen, wie Heckflosse, Strichachter oder Pagode. Der erste moderne Mercedes der Nachkriegszeit bekam später den Kosenamen Ponton. Abenteuer Auto war zu Besuch beim einem Ponton-Liebhaber. Thomas Hanna und sein Ponton. Eine Leidenschaft, die jetzt schon über 25 Jahre andauert. Schon mit achtzehn Jahren wollte der Münchner keinen schnellen Sportwagen oder ein schickes Cabrio. Sein Objekt der Begierde war ein hochbeiniger Oldie, der Mercedes Ponton.
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Foto: © Mercedes |
Anfang der Achtziger war der Ponton noch ein schnöder und unmoderner alter Gebrauchtwagen, den fast niemand haben wollte. Thomas Hanna als mittelloser Student konnte sich ihn aber damals leisten. Und weil Thomas Hanna in den 25 Jahren zu einem wahren Ponton-Spezialisten herangewachsen ist, hat er seine Leidenschaft zu seinem Beruf gemacht. In einer kleinen Werkstatt nördlich von München kümmert er sich um marode oder geschwächte Schätzchen anderer Liebhaber. Für einen Kunden baut er einen unscheinbaren 220er zu einem Wolf im Schafspelz um.
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Wenn die viertürige Limousine fertig ist, soll der 240 PS starke Motor den 40 Jahre alten Benz auf rund 220 Stundenkilometer beschleunigen. Im Laufe der Zeit hat sich bei Thomas ein ganzes Warenlager angesammelt, alles Teile für seine geliebten Pontons. Der 45-jährige Münchener schätzt, daß inzwischen rund 200 dieser Mercedes-Modelle durch seine Hände gegangen sind. Etliche davon hat er geschlachtet und hortet die wieder verwendbaren Teile. Raritäten, wie die seltenen Kombis oder Stücke mit guter Substanz bewahrt er auf. Doch woher treibt der Jäger und Sammler seine Schätze auf?
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Die Ponton-Baureihe erscheint 1954, als das kriegsgebeutelte Deutschland langsam wieder aufblüht. Der Wagen hat als erster Mercedes keine freistehenden Kotflügel und Trittbretter mehr, sondern ist in der modernen Ponton-Form gestaltet. In der Wirtschaftswunderzeit zeigt man sich gerne fortschrittlich, und so wird die Limousine ein großer Erfolg. Über eine halbe Million Pontons laufen vom Band, davon 230.000 Diesel. Der schwarze Mercedes 219 mit Faltdach von 1958 ist Thomas’ derzeitiger Alltags-Wagen. Er schlägt die Brücke von den Vierzylindern zu den luxuriösen 220ern. Sparsamer ausgestattet trägt er jedoch die repräsentative Sechszylinder-Technik unter seinem Kleid. Anhand der Ausstattung die unzähligen Modellvarianten auseinanderzuhalten, daran scheitern sogar echte Mercedes-Kenner.
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Im 219 er verrichtet ein 2,2 Liter großer Sechszylinder mit 90 PS brav seinen Dienst. Grundsätzlich unterscheidet man bei der Motorenpalette Vierzylinder, Sechszylinder und Diesel. Insgesamt gab es Motoren von 40 bis 115 PS. Genauso lang wie Thomas Hanna Ponton fährt, schraubt er auch daran. Denn auch ein solider Mercedes aus den Fünfzigern hat seine Schwachstellen und die kennt er ganz genau. Eine, die besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Aufnahme der Hinterachsschubstrebe. Obwohl der Ponton einen massiven Kastenrahmen besitzt, ist die selbsttragende Karosse sehr komplex aufgebaut und bietet dem Rost viel Angriffsfläche. Eine kostenintensive Schwachstelle ist die C-Säule!
Ein weiteres Objekt wartet in der Scheune auf seinen neuen Motor, der Renn-Ponton. Ausgerüstet mit Überrollkäfig, Feuerlöscher und Rennsitzen hat Thomas damit schon zweimal die Carrera Panamericana in Mexiko bestritten, das spektakulärste Oldtimer-Rennen der Welt. Schon zu aktuellen Zeiten machte der robuste Schwabe bei Langstreckenrennen eine gute Figur. Aber am liebsten gleitet Thomas mit seinem Ponton sanft über die Straßen und zaubert den Passanten ein Lächeln ins Gesicht und vielleicht eine kleine Erinnerung an die guten alten Zeiten. Und sollte wirklich mal keiner seiner geliebten Pontons laufen, kann Thomas Hanna noch auf andere motorisierte Gefährte zurückgreifen, selbstverständlich klassische. Der Einstieg in die viertürige Ponton-Welt beginnt etwa bei 10.000 Euro für einen anständigen Vierzylinder. Ein komplett restauriertes Sechszylinder Modell kann auch schon mal bis zu 35.000 Euro kosten.
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